Affront

Totes Rind in der Einfahrt: Landwirt wirft Wolfsberaterin Kadaver vor die Tür

Ein totes Rind liegt vor dem Haus von Wolfsberaterin Katja Hildebrandt-Mertins.
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Diese tote Rind haben Landwirt Dieter Schwutke und zwei weitere Männer am Dienstag vor dem Haus von Wolfsberaterin Katja Hildebrandt-Mertins abgeladen.
  • Lars Lohmann
    VonLars Lohmann
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  • Bernd Schossadowski
    Bernd Schossadowski
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Als der dunkle VW-Pickup am Dienstag um kurz vor 14 Uhr vor ihrem Haus in Brockhöfe Bahnhof anhält, ahnt Wolfsberaterin Katja Hildebrandt-Mertins noch nichts Böses. Doch das ändert sich rasch...

Brockhöfe Bahnhof – Denn der Holdenstedter Landwirt Dieter Schwutke und zwei weitere Männer, die aus dem VW aussteigen, haben ein „Geschenk“ mitgebracht:

Sie heben ein totes Galloway-Rind, das möglicherweise von einem Wolf gerissen wurde, von der Ladefläche und werfen den Kadaver in die Hauseinfahrt der Wolfsberaterin. „Das waren Ihre Hunde“, höhnt einer der Männer.

Der Bauch des acht Monate alten Tieres ist aufgerissen, die Rippen und inneren Organe schauen hervor. Einer der Männer stößt gegenüber Hildebrandt-Mertins eine Warnung aus: „Das ist erst der Anfang, wir können auch ganz anders.“

„Ein Angriff auf einen ehrenamtlichen Wolfsberater“

Schwutke überreicht der Wolfsberaterin einen Umschlag. „Mit dem heutigen Tage schenken wir Ihnen unser Absetzer-Galloway. Viel Freude mit diesem schönen Tier! Es wäre nett, wenn Sie mir die Ergebnisse der DNA-Probe übersenden“, steht im beigefügten Brief. Danach fahren die drei Männer mit ihrem Pickup davon.

Über diese Aktion ist Hildebrandt-Mertins, die Schwutke bis Dienstag persönlich gar nicht kannte, empört. „Was hier passiert ist, ist ein Angriff auf einen ehrenamtlichen Wolfsberater“, sagt sie im AZ-Gespräch. Schon seit längerer Zeit werde sie von Nutztierhaltern wegen der Wolfsrisse verbal angegangen.

Polizei, Veterinäramt und Wolfsbüro informiert

„Aber das hier setzt dem Ganzen die Krone auf. Das ist eine klare Einschüchterung, eine Drohung“, sagt Hildebrandt-Mertins, die auch die Polizei, das Veterinäramt des Landkreises und das Wolfsbüro in Hannover über den Vorfall informierte. Ein Polizeibeamter habe ihr gesagt, dass die Angelegenheit dem Staatsschutz übergeben werde.

Schwutke bestätigt auf AZ-Nachfrage die Geschehnisse. Am Dienstag um 6 Uhr habe er durch einen Anruf erfahren, dass 30 seiner Galloways von einer Weide ausgebrochen seien. „Wir haben den ganzen Morgen gebraucht, um die Tiere einzufangen“, erzählt Schwutke. Dabei habe er das tote Kalb entdeckt. Er habe den Kadaver aufgeladen und zu Hildebrandt-Mertins gebracht, um feststellen zu lassen, ob das Tier von einem Wolf gerissen wurde.

Kreislandwirt Riggert verurteilt Aktion

Kreislandwirt Thorsten Riggert verurteilt die Aktion scharf. „So etwas geht gar nicht. Das ist eine Grenzüberschreitung, die überhaupt nicht zu rechtfertigen ist“, schimpft er. Schwutke habe den Weidetierhaltern damit einen Bärendienst erwiesen. Man könne sachlich über den Wolf streiten, aber nicht in der Weise, wie es Schwutke getan habe. „Jemanden, der ein Ehrenamt bekleidet, hat man nicht privat zu behelligen“, betont Riggert. „Davon distanzieren wir uns als Landwirte deutlich.“

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