Theater vorm Schlafzimmer

Das Jahrmarkttheater lockt mehr als 100 Besucher zu jeder Vorstellung.Archivfotos: Ph. Schulze

Wettenbostel - Von Wiebke Brütt. Während Schauspieler gerade ihre Requisiten zusammenpacken und Theaterliebhaber von Hamburg bis Hannover eifrig Karten bestellen, braut sich bei einigen Anwohnern in Wettenbostel alles andere als Vorfreude zusammen. 29 Vorstellungen will das Jahrmarkttheater diesen Sommer in dem beschaulichen Örtchen geben (AZ berichtete) – an fünf Wochenenden im Juli und August, jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Und bei jeder Vorstellung sitzt Thore Windeit gleichermaßen im Publikum und auf der Bühne. Denn der Hof des 40-Jährigen liegt etwa 50 Meter Luftlinie von dem Open-Air-Event entfernt. „Schaue ich aus dem Schlafzimmer, habe ich direkten Blick auf die Bühne.“

Doch nicht nur er beobachtet die Schauspieler – sie und vor allem die über hundert Besucher, die zu jeder Vorstellung nach Wettenbostel strömen, beobachten ihn. „Ich gönne den Leuten ja das Vergnügen. Das ist eine schöne Geschichte. Aber wir können kein Wochenende im August, dem schönsten Monat des Jahres, in Ruhe draußen sitzen. Die Leute schauen uns auf den Tisch“, verdeutlicht Windeit die Situation. Und genau wegen dieser Ruhe ist er schließlich mit seiner Familie vor zehn Jahren in den kleinen Ort gezogen. „Wenn ich eine Geburtstagsparty gebe, muss ich auch ab 22 Uhr alles auf Zimmerlautstärke drosseln. Beim Theater wird eine Ausnahme gemacht“, meldet sich ein anderer Anwohner zu Wort, „die Belange der Bürger werden hier außer Acht gelassen. Das sorgt für großen Unmut im Dorf.“ Den Saisonbeginn zu Pfingsten erwarten Windeit und einige seiner Nachbarn daher mit gemischten Gefühlen. „Am Anfang war das in Ordnung. Aber es wird ja immer mehr“, sagt der Familienvater. Denn seit den ersten Vorstellungen vor drei Jahren hat sich das Ausmaß des Theatergenusses stetig ausgeweitet: Vergangenes Jahr betraten die Schauspieler 18 Mal mit drei verschiedenen Stücken die Bühne. Diesen Sommer steht ein Stück und damit elf Auftritte mehr auf dem Programm.

Dieses Mehr an Vorstellungen, das Windeit die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, erfreut die andere Seite natürlich sehr: „Es ist toll, dass so viele Leute zu unseren Veranstaltungen kommen“, sagt Peter Imig vom Jahrmarkttheater. Dass sich manche Anwohner gestört fühlen, erfuhren er und sein Team nur über mehrere Ecken: „Persönlich beschwert hat sich bei uns niemand. Die Mehrheit der Dorfbewohner unterstützt uns und ist stolz darauf, dass in Wettenbostel so etwas gemacht wird“, schildert Imig. „Klar, es ist immer umstritten, wenn man etwas Neues installieren möchte. Alle kann man dafür nie begeistern. Ich denke aber, die Anwohner, die sich gestört fühlen, sind in der Minderheit.“

Die Verärgerung hinsichtlich der Parkplatzsituation kann der Musiker nachvollziehen: „Das kann schon störend sein. Darum überlegen wir nun, den Parkplatz zu verlegen.“ Was den Geräuschpegel betrifft, so meint Imig, bleibe die Theatercrew im Rahmen: Musik wird ausschließlich mit Akustik-Instrumenten gemacht und beim Schauspielern kommen keine Mikrofone zum Einsatz. Imig: „Das Lauteste ist der Applaus. Und die Vorstellungen enden um 22 Uhr oder ein wenig später.“ Das wäre laut Ordnungsamtsleiter Lothar Jessel den Richtlinien entsprechend: „Nachtruhe beginnt um 22 Uhr.“

Nächste Woche setzen sich Wriedels Bürgermeister Peter-Uwe Breyer, Maria Krewet, die ihren Hof für die Open-Air-Vorführungen zur Verfügung stellt, das Jahrmarkttheater-Team mit einigen Anwohnern zusammen, um einen Kompromiss bezüglich Lautstärke und Parkplatzregelung zu finden.

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