Unbekannte überkleben 70er-Schild in Brockhöfe-Bahnhof / Einwohner fordern tatsächlich 50 km/h

Tempolimit – selbst gemacht

Etwa drei Wochen lang „galt“ in Brockhöfe-Bahnhof laut Beschilderung Tempo 50.
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Etwa drei Wochen lang „galt“ in Brockhöfe-Bahnhof laut Beschilderung Tempo 50.
  • VonInes Bräutigam
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Brockhöfe-Bahnhof. Etwa drei Wochen lang hingen an den Ein- beziehungsweise Ausfahrten der Ortschaft Brockhöfe-Bahnhof Tempo-50-Schilder. Wie sie dahin kamen – niemand weiß es.

Stefan Mertins vergewissert sich: Das 70er-Schild ist komplett neu installiert worden.

Bei Kontrollfahrten der Landesstraßenbaubehörde sei aufgefallen, dass die eigentlich dort vorhandenen 70er-Schilder mit der falschen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50km/h überklebt worden waren, erklärt Martin Theine, Sprecher des Landkreises Uelzen, auf AZ-Nachfrage. Ein Strafantrag wurde bereits gestellt. Denn die 70er-Schilder wurden bei dem Überkleben nicht nur beschädigt. „Dies stellt auch einen Eingriff in den Straßenverkehr dar, der strafrechtlich geahndet wird“, stellt Theine klar.

Die 70er-Schilder waren einfach überklebt worden.

Stefan Mertins wundert sich vor allem darüber, dass die 50er-Schilder so lange stehen bleiben konnten, ohne dass sie jemandem groß aufgefallen waren. Die Aktion als solche indes wundert den Bürger Brockhöfe-Bahnhofs kaum noch: Seit Jahren mache sich der FDP-Ratsherr im Wriedeler Gemeinderat für eine Tempo-50-Zone in der Ortsdurchfahrt stark, sagt er. Bislang vergeblich. Ebenso wie sein Nachbar Wolfgang Thiel und viele weitere Bürger des Ortes hadert er mit den Rasern, die auf diesem lang gezogenen Abschnitt der Landesstraße 250 weit jenseits der erlaubten 70 hm/h unterwegs seien. „Das ist eine richtige Heizer-Strecke“, bringt es Mertins’ Frau Katja Hildebrandt-Mertins auf den Punkt.

Vor allem wenn die Bundesstraße 71 wegen der Schießübungen des Rüstungskonzerns Rheinmetall gesperrt sei, bekämen die Bürger von Brockhöfe-Bahnhof die Raserei zu spüren. Und das sei mindestens dreimal pro Woche für jeweils mehrere Stunden der Fall, schildert das Ehepaar. Nicht nur um die eigenen Kinder mache man sich Sorgen, sondern auch um die vielen anderen – auch jüngeren –, die in dem Ort leben.

„Auf dem Weg zur Bushaltestelle müssen die Kinder die Straße überqueren“, sagt Katja Hildebrandt-Mertins, „das ist lebensgefährlich.“ Denn es werde nicht nur viel zu schnell gefahren, sondern auch noch munter überholt. Ganz unwohl werde ihr, wenn sich dann noch zwei Lkws begegnen. „Da sind schon einige Leitpfähle und der Seitenraum plattgefahren worden“, weiß Stefan Mertins.

Der Ratsherr will jetzt endlich eine Lösung für die Probleme haben. Gespräche mit der Gemeinde und dem Landkreis seien diesbezüglich bislang im Sande verlaufen, bedauert er. Matthias Schild von der Unfallkommission des Landkreises Uelzen allerdings kann sich nicht daran erinnern, dass das Thema jemals offiziell bei ihm gelandet sei. „Da hat es keinerlei Druck oder Nachfrage gegeben“, sagt er auf AZ-Nachfrage.

Tempomessungen habe es in Brockhöfe-Bahnhof auch noch keine gegeben, so Schild. „Wir könnten dort aber grundsätzlich mal messen. Wobei dabei auch nur Momentaufnahmen herauskämen.“ Der richtige Weg wäre aus seiner Sicht, die Gemeinde zu kontaktieren. Sie könnte beispielsweise Tempomessgeräte aufstellen, um Daten über die Geschwindigkeit zu erhalten, sagt Schild. Stefan Mertins will im Namen seiner UWG/FDP-Ratsgruppe jetzt politisch tätig werden: „Wir werden einen Antrag auf Tempo 50 stellen.“

Von Ines Bräutigam

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