Wasserbewohner in Gefahr

Das Sterben der Muscheln: Ebstorfer Mühlenteich erreicht Tiefststand

Michael Kessler, Vorsitzender des Angelvereins Schwienau, am ausgetrockneten Mühlenteich in Ebstorf. Unter der Oberfläche sterben Fische und geschützte Teichmuscheln.
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Michael Kessler, Vorsitzender des Angelvereins Schwienau, am ausgetrockneten Mühlenteich in Ebstorf. Unter der Oberfläche sterben Fische und geschützte Teichmuscheln. 

Ebstorf – Es ist ein trauriges Bild. Der Ebstorfer Mühlenteich, seit Jahren von Wasserknappheit betroffen, ist auf einem neuen Tiefststand angekommen. Ringsum liegen die schlammigen Randbereiche unbedeckt in der Herbstsonne.

Der Überlauf an der Hauptstraße – unerreichbar. Kleine Sünden der Vergangenheit, eine Bierdose, ein Kunststoffkorb, kommen zutage. Was der Laie nicht sieht, ist das Sterben der Kreatur, die auf das Wasser angewiesen ist.

Michael Kessler hat wenig Hoffnung. „Wenn es jetzt nicht regnet, dann wird der Mühlenteich in anderthalb Monaten komplett ausgetrocknet sein“, meint der Vorsitzende des Angelvereins Schwienau, der sich um das 8700 Quadratmeter große Gewässer kümmert. Der Zufluss, der Oechtringer Graben, ist seit Monaten vertrocknet, der Grundwasserstand ist gesunken.

Ein Fisch hinterlässt konzentrische Kreise. Es könnte ein beruhigendes Bild sein. „Die Fische schnappen nach Wasser“, räumt Kessler mit dem Missverständnis auf. Selbst an den tiefsten Stellen ist das Wasser nur noch 20 Zentimeter tief. Fäulnis macht sich breit. Und die Grau- und Silberreiher können jetzt auf der Suche nach Beute über die gesamte Teichbreite stolzieren.

Zu machen ist da wenig. „Wenn wir mit dem großen Netz durchgehen, würden sich die Kiemen der Fische mit Schlamm zusetzen“, erklärt Kesseler. Den zusätzlichen Stress würden die Barsche, Hechte, Schleien, Plötzen, Rotfedern und Aale nicht mehr wegstecken. 2018 gab es, nachdem zahlreiche Fische verendet waren, schon einmal eine Rettungsaktion an dem Gewässer, an dem sogar der Eisvogel heimisch ist. Damals setzten die Vereinsmitglieder einen Teil der Fische um. Die Feuerwehr brachte durch Pumpen Sauerstoff in den dürregeschädigten Teich. Der Vorstoß der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, die Schwienau anzuzapfen, wurde laut Kesser von der Umweltbehörde beim Landkreis nicht genehmigt.

Wer mit dem Vorsitzenden spricht, lernt auch, dass Teichmuscheln Füße haben. Allerdings nur jeweils einen, den die geschützten Tiere in den Schlamm bohren, um sich über den Grund zu schieben. „Sie kriechen an die Grenze zwischen Wasser und Land, um Sauerstoff zu bekommen“, weiß Kessler. 90 Prozent der Schalentiere, schätzt er, sind bereits verendet. Eine Umsiedlung ist kaum möglich.

Die große Teichmuschel, die bis zu 20 Zentimeter lang werden kann, hat eine wichtige ökologische Funktion. „Die Muscheln saugen das Wasser mit Schwebstoffen ein und ziehen Kleinstorganismen heraus“, erläutert Kessler. Eine Fischart, der Bitterling, legt ihre Eier in die Kiemen der Muscheln.

Hilfe gibt es dennoch nicht. „Man sieht die nicht. Das sind keine Streicheltiere und die haben keine Lobby“, meint Kessler. Was tun? Der Mühlenteich gehört zu Ebstorf. Die Westseite mit dem Gewässer ist die Schauseite des Klosters. Bevor die Schwienau begradigt wurde, speiste sie den Mühlenteich und trieb zwei Mühlen an. Im Rahmen des Projekts Grünband Schwienauniederung gab es die Überlegung, zukünftig den Schliepbach in den Teich zu leiten. Aber auch dieser führt kein Wasser mehr. VON GERHARD STERNITZKE

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