Umweltministerium reagiert auf AZ-Anfrage

Späte Antwort auf Wolfs-Resolution

+
Ein Wolfspaar lebt im Raum Ebstorf. 2018 wurden Welpen nachgewiesen. „Es gibt keine Hinweise auf Wölfe, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten würden“, betont Ministeriumssprecherin Justina Lethen.

Ebstorf – Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam. Im März 2017 geht eine Resolution des Fleckenrats an den damaligen Umweltminister Stefan Wenzel. Auf eine Antwort warten die Ebstorfer noch heute. Erst auf AZ-Nachfrage gibt es jetzt eine späte Reaktion.

Als der Rat die Resolution verabschiedet, haben sich Wölfe in unmittelbarer Ortsnähe breit gemacht.

In Tatendorf werden Schafe unweit eines Wohnhauses gerissen. Im Klosterflecken macht man sich auch Sorgen um die Sicherheit der Waldkindergartengruppe am Ahrensberg. Zwei Forderungen stellen die Kommunalpolitiker: Dass Fachleute ausgebildet werden, die kurzfristig Wölfe mit Sendern versehen oder vergrämen können. Und dass Problemwölfe, die Weidetiere reißen und sich dem Menschen bedrohlich nähern, abgeschossen werden.

Papier ist geduldig. Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf erinnert ein Vierteljahr später an die Eingabe und bittet um Antwort. Wieder passiert nichts. Umweltminister Stefan Wenzel verliert nach der Landtagswahl sein Amt, ein neuer, Olaf Lies (SPD), übernimmt. Dann im Dezember 2018 ein kurzer Brief: Die Landtagsverwaltung teilt mit, die Petition habe im Umweltausschuss noch nicht erörtert werden können, weil das im Zusammenhang mit einem FDP-Antrag geschehen solle.

Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking (UWG) ist sauer. „Eine Antwort gehört sich einfach“, findet er. Dabei hatten SPD und CDU im Landtagswahlkampf angekündigt, dass sich der Umgang mit dem Wolf ändern solle. „Passiert ist nichts“, kritisiert der Bürgermeister. Und die Wölfe haben in Tatendorf ein zweites Mal zugeschlagen.

Die AZ wendet sich ans Umweltministerium. „Auf Anforderung des Landtages hat das Ministerium für Umwelt am 21. Dezember 2017 eine Stellungnahme abgegeben, die an den Landtag übermittelt wurde“, teilt Sprecherin Justina Lethen mit. „Uns liegen keine Erkenntnisse darüber vor, was danach mit der Stellungnahme geschehen ist.“

Auch inhaltlich geht sie auf die Ebstorfer Resolution ein. Spätestens seit 2016/2017 lebt im Raum Ebstorf ein Wolfspaar, 2018 wurden erstmals Welpen nachgewiesen. „In der genannten Region liegen dem Wolfsbüro aktuell keine gehäuften Meldungen von Wolfssichtungen beziehungsweise Begegnungen mit Wölfen vor. Es gibt keine Hinweise auf Wölfe, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten würden“, betont Justina Lethen. „Aus Expertensicht besteht kein Grund, auf die Betreibung eines Waldkindergartens im Raum Ebstorf zu verzichten.“

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Tierärztlichen Hochschule Hannover sollen auch Wölfe besendert werden. Die Sprecherin betont die Entschlossenheit von Lies: „Es ist erklärtes Ziel des Umweltministers, konsequent zu handeln, wenn es erforderlich ist. Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität.“ Wenn Gefahr von einem Wolf ausgehe oder trotz ausreichender Zäune Nutztiere zu Schaden kämen, sei „im Einzelfall“ eine Vergrämung oder auch die Tötung möglich.

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare