Private Initiative von Jörn Rückstein

Ein Sozialkaufhaus für Ebstorf: Hilfe für Benachteiligte

Zwei Sozialarbeiter stehen vor gespendeten Schuhen
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Sozialarbeiter Jörn Rückstein (links) und Sozialpädagoge Nemanja Grakovac im Ebstorfer Sozialkaufhaus, das seine Tür im September öffnen soll.
  • Gerhard Sternitzke
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Die Schaufenster sind noch mit weißer Gaze verhängt, aber es tut sich was im ehemaligen Schlecker an der Lüneburger Straße in Ebstorf. Wo früher in langen Regalen Drogeriewaren angeboten wurden, öffnet bald ein Sozialkaufhaus

Ebstorf – Inzwischen steht am Eingang bereits ein Tisch mit Kinderschuhen. Es gibt CDs, Bücher. An einer Stange sind Jacken aufgehängt. Am 11. September soll das Sozialkaufhaus öffnen. Die bislang aufgestellten und aufgehängten Artikel stammen aus Rücksteins Haushalt und wurden von Freunden gespendet. Auch von Teilen seiner CD-Sammlung hat sich der 41-Jährige getrennt. Das Sozialkaufhaus sieht er auch als Gegenmaßnahme zur verbreiteten Wegwerfmentalität. Rückstein selbst ist begeisterter Flohmarkt-Besucher. Hier freut sich der Käufer über etwas, was der Spender nicht mehr braucht. „Und das wird der Lagerbereich sein“, zeigt Rückstein. Alles, was nicht verkäuflich ist, soll hier verfügbar sein. „Es gibt Menschen, die arm sind, die alles brauchen – vom Topf bis zum Bettlaken“, sagt Rückstein, der mit seinen Kollegen Familien im Uelzener Kreisgebiet betreut.

Sozial ist das Kaufhaus, das zwei bis drei Tage in der Woche und alle 14 Tage sonnabends geöffnet sein soll, nicht nur aufgrund der gespendeten Artikel, die günstig angeboten werden, sondern auch, weil Rückstein hier benachteiligte Menschen einbinden will. „Wir arbeiten mit Menschen, die soziale Ängste haben, die nicht mehr rausgehen“, berichtet er. Die Mitarbeit im Laden soll helfen, solche Ängste abzubauen und neues Selbstbewusstsein zu erlangen. „Wir haben alle gerne Kaufmann gespielt“, sagt der Sozialarbeiter. „Jugendliche, die sonst nur vor dem Computer sitzen, sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen und den Wert von Dingen einzuschätzen.

Ebstorfer Kulturangebot soll von Sozialkaufhaus profitieren

Angeschoben werden soll das ganze Projekt zunächst ohne öffentliche Förderung. Der Vermieter hat der Initiative einen guten Preis gemacht. Ein Verein ist gegründet und steht vor der Anerkennung. Durch die Vereinsbeiträge und Spenden sollen die notwendigen Mittel zusammenkommen. Die Arbeit wird ehrenamtlich nach Feierabend erledigt. Freiwillige – von der ehemaligen Verwaltungsbeamtin bis zum Langzeitarbeitslosen – sollen eingebunden werden.

Nebenbei soll das Sozialkaufhaus auch das kulturelle Angebot in Ebstorf bereichern. Künstler können im vorderen Bereich ihre Werke ausstellen.

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