Fraktion fordert vorübergehende Verlegung der Waldkindergarten-Gruppen

Wegen des Wolfs: CDU sorgt sich um Sicherheit der Kinder

Die Kinder des Ebstorfer Waldkindergartens spielen und lernen unter freiem Himmel. Damit die CDU dies weiter mit gutem Gewissen verantworten kann, möchte sie, dass die Gruppen übergangsweise verlegt werden – wegen des Wolfs. Archivfoto: dpa
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Die Kinder des Ebstorfer Waldkindergartens spielen und lernen unter freiem Himmel. Damit die CDU dies weiter mit gutem Gewissen verantworten kann, möchte sie, dass die Gruppen übergangsweise verlegt werden – wegen des Wolfs.
  • VonInes Bräutigam
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Ebstorf. Noch gar nicht lange ist es her, dass sich die Verantwortlichen von Klosterflecken, DRK und Wolfsberatern sowie Forst zusammengesetzt und einvernehmlich entschieden haben: Für die Kinder des DRK-Waldkindergartens in Ebstorf geht derzeit keine Gefahr vom Wolf aus (AZ berichtete).

Der CDU-Fraktion im Rat des Fleckens wird angesichts der vermehrten Begegnungen zwischen Mensch und Raubtier jedoch immer unwohler. Sie hat daher die vorläufige Verlegung aller Waldgruppen mit sofortiger Wirkung beantragt, wie Fraktionsvorsitzender Ulf Schmidt mitteilt.

(Hinweis zum Video: Am Anfang des Videos ist das Datum "28. Februar 2016" eingeblendet. Das ist leider falsch. Das Video entstand am 28. Februar 2017. Wir bitten um Entschuldigung.)

„Wir als CDU-Fraktion im Klosterflecken Ebstorf können die Sicherheit bei der gegebenen Gefahrenlage durch den Wolf nicht mehr mit unserem Gewissen verantworten“, begründet Schmidt. Neben der Begegnung zwischen einer Läuferin und einem Wolf bei Weste vom Dienstag bezieht er sich auf Wolfsrisse in der Nacht zum 15. Februar rund um Ebstorf. Wie berichtet, war da an der Celler Straße ein Schaf getötet und ein zweites so schwer verletzt worden, dass es erlöst werden musste. In der gleichen Nacht gab es im fünf Kilometer entfernten Allenbostel weitere Risse.

Ulf Schmidt

Außerdem berichtet Ulf Schmidt: „Seit kurzer Zeit haben die Anwohner im Allenbostelerweg in Ebstorf Bedenken, in Richtung Apfelweg nach Altenebstorf zu gehen.“ Hunde von Anwohnern schlügen in der Nacht an, da sich vermutlich Wölfe hinter dem Haus auf dem Feld bewegten und hier auch ihre Beute rissen, so Schmidt. In Abständen zwischen 50 und 100 Metern. Zwei Rehrisse seien dort in etwa 200 und 400 Meter Entfernung zum Ortsrand gefunden worden. Der Standort des Waldkindergartens am Arnsberg sei aus Sicht der CDU daher nicht mehr zu verantworten. Als mögliche Ausweichstandorte im Sinne einer Übergangslösung schlägt die Fraktion kurzfristig die Freifläche im Waldemar oder die Bodwedeschule vor und fordert Bürgermeister und Verwaltung umgehend zum Handeln auf.

Heiko Senking

Bürgermeister Heiko Senking (UWG) verweist darauf, dass er im Rahmen des eingangs genannten Gesprächs im Einvernehmen mit allen anderen Beteiligten die eingezäunte Tannenworth als Waldkindergarten bereits angeboten habe. Das Angebot stehe nach wie vor, sagt er. „Es liegt nunmehr in Händen des Betreibers und der Eltern, dieses abzuwägen und gegebenenfalls in Anspruch zu nehmen.“ Aus Sicht des DRK-Kreisverbands, der den Ebstorfer Waldkindergarten betreibt, besteht dafür aber zurzeit keine Notwendigkeit. „Wir verfolgen das Thema Wolf von Anfang an sehr genau“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Peter Vogt auf AZ-Nachfrage. Aber für das DRK gelte immer noch die Einschätzung der Fachleute, wonach Waldkindergärten nicht durch Wölfe gefährdet seien. Diese Auffassung vertrete auch das Kultusministerium, mit dem man sich abgesprochen habe, so Vogt. „Die Fachleute sind tiefenentspannt“, sagt er. Und die Ebstorfer Eltern seien das im Übrigen auch.

Für Bürgermeister Senking liegt unterdessen ganz woanders der Hase im Pfeffer. „Es wäre schön, wenn sich Parteien, die im niedersächsischen Landtag vertreten sind, um die Angelegenheit Wolf endlich sachlich kümmern könnten“, fordert er. „Der Klosterflecken hat seine Hausaufgaben mehr als gemacht, die Landespolitik anscheinend nicht. Wir werden daher in Kürze die Landtagsabgeordneten nach Ebstorf einladen“, kündigt Senking an. „Das Problem ist nämlich nicht eigentlich der Wolf, sondern der Dilettantismus in der Landespolitik.“

Von Ines Bräutigam

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