Es sollte in der Schweiz getötet werden

Vor der Schlachtbank gerettet: Ebstorferin holt Freiberger-Fohlen zu sich

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Freiberger Nino hätte mit neun Monaten schon geschlachtet werden sollen, aber Sylvia Behringer und ihr Lebensgefährte Carsten Zunker haben ihm ein neues Leben geschenkt.

Ebstorf. Für gewöhnlich sind Freiberger fuchsfarben. Nicht Nino. Der junge Hengst hat dunkelbraunes Fell, weiße Stiefelchen an den Hufen und einen Glücksfleck auf der Stirn. Mit neun Monaten hat das Fohlen noch sein ganzes Pferdeleben vor sich, doch fast wäre es bereits beim Schlachter gelandet.

Es kann als Zufall oder Vorweihnachtsmärchen betrachtet werden, dass die Ebstorferin Sylvia Behringer von seinem Schicksal erfahren und es zu sich geholt hat.

„Als ich ihn auf einem Foto gesehen habe, dachte ich mir gleich: Dieses Pferd hat Charakter“, erinnert sich Sylvia Behringer. Der Freiberger wurde im Februar in der Schweiz geboren. Seine Rasse ist das einzige leichte Halbblut. Wegen des sanften Gemüts, ihrer menschenbezogenen und kooperativen Art sind sie im Nachbarland sehr beliebt – besonders bei der Schweizer Armee. Dort werden sie früh ausgebildet und ihre Zucht im Namen der Rassenerhaltung mit 500 Schweizer Franken pro Fohlen gefördert. Das Problem: Es gibt zu viele Freiberger – vor allem Hengste. 34 Prozent dieser Fohlen werden kein Jahr alt. Obwohl Nino für die Auktionen im Spätsommer mit acht von neun möglichen Punkten bewertet wurde, fand sich kein Käufer. Die Tochter des Züchters gab die Hoffnung aber nicht auf: Sie bot Nino im Internet an.

Zur selben Zeit war die Sozialpädagogin Sylvia Behringer, die als Jugendliche selbst geritten ist, auf der Suche nach einem Pferd für ihre beiden Pflegekinder. Als sich die 51-Jährige über Freiberger informierte, erfuhr sie auch von ihrem traurigen Schicksal. „Ich konnte einfach nicht glauben, dass ein gesundes Fohlen geschlachtet wird“, sagt sie.

Erst musste Sylvia Behringer ihren Lebensgefährten überzeugen. „Von einem Pferd will ich nichts wissen“, hatte Carsten Zunker angekündigt. „Seit Nino Ende Oktober von einer Spedition zu uns gebracht wurde, fährt er jeden Morgen in den Stall und füttert ihn“, berichtet Sylvia Behringer heute.

Kurios: Ninos Unterstand befindet sich ausgerechnet bei einem Fleischer. „Ich habe einen Krustenbraten abgeholt und zufällig mitbekommen, dass er auch Pferde hat“, erzählt Ninos neue Besitzerin. Im Frühjahr soll er mit seinen Artgenossen auf die Koppel kommen. „Nino bleibt hier“, sagt Sylvia Behringer. „Aber vielleicht gibt es einen Landbesitzer, der Platz für seine Freunde hat.“ Gerne würde sie noch weitere Freiberger retten und einen Unterstand bauen. Unter sylvia.behringer@ t-online.de kann Kontakt zu ihr aufgenommen werden.

Gemeinsam mit Schweizer Tierschutzvereinen kämpft Sylvia Behringer dafür, dass die Rassenerhaltungsprämie in eine Aufzuchtprämie umgewandelt wird, bei der erst Geld ausgezahlt wird, wenn die Tiere vier Jahre alt sind. Die laufende Petition kann unter http://tinyurl.com/zyuyn7n unterschrieben werden, damit ein Märchen in Zukunft noch für viele Freiberger wahr wird.

Von Sandra Hackenberg

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