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Experten befreien überlebende Fische aus dem Ebstorfer Mühlenteich

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Teichwirte mit Elektrokeschern im Mühlenteich.
Mit Elektrokeschern fangen Teichwirt Patrick Stähr (links) und seine Mitarbeiter die letzten überlebenden Fische im Ebstorfer Mühlenteich. © Sternitzke, Gerhard

Silbrig zappeln kleine Fischleiber im Kescher. Vorsichtig schöpft Philipp Dall sie aus dem schlammschwarzen Wasser eines Bottichs und setzt sie in ein Frischwasserbecken um. Während die Kleinen abzischen, liegen die größeren Kiementiere zunächst eine Zeitlang benommen auf der Seite, bevor sie sich aufrichten. Ein Hecht und ein sich windender Aal landen als Raubfische in eigenen Behältern. Fischereiexperten starten gestern im Auftrag des Klosterfleckens eine neuerliche Rettungsaktion für die letzten überlebenden Bewohner im Ebstorfer Mühlenteich.

Ebstorf – Ab sieben Uhr liegt das eigentümliche Summen der Elektrokescher über dem Gelände. Patrick Stähr und seine Mitarbeiter staksen in Gummioveralls, das Steuergerät auf der Brust, durch Wasser und Schlamm. Ein Fischlein springt wie ein flacher Stein über die Wasseroberfläche – und verfängt sich doch im Netz. Ein Boot, wie bei ihrem ersten Einsatz 2020, benötigen die Fischer nicht mehr. Der Wasserstand ist in den vergangenen Wochen noch einmal dramatisch gesunken.

Wasserstand beträgt nur noch zehn bis 15 Zentimeter

„Der Wasserstand beträgt noch zehn bis 15 Zentimeter, in den Löchern etwas mehr“, berichtet Stähr bei einer Pause an Land. Am Vorabend hat er bereits Messungen vorgenommen. Das Ergebnis: gerade mal zwei Milligramm Sauerstoff pro Liter. Normal sind sechs bis zehn Milligramm. Stähr leert einen Eimer mit toten Fischen. Vor allem die größeren Exemplare sind verendet. Viele kleine Fische haben bereits Enten und Graureiher erbeutet. „Überlebt haben die meisten Karpfenartigen, die sind anspruchsloser“, erklärt Stähr und fügt hinzu: „Man hätte zügiger handeln müssen.“

Die Fische bleiben stumm. „Die kann man nicht streicheln. Die haben kein Fell. Die können nicht sagen, dass es ihnen schlecht geht“, sagt Mitarbeiter Christoph Duy.

Vor zwei Jahren waren die Bottiche voll mit zappelnden Fischen. Jetzt ist die Ausbeute eher gering. Aal, Hecht, Schlei, Plötze, Güster, Blei, Rot- und Weißfeder gehen den Fischern in die Kescher. „Ich bin grundsätzlich zufrieden, dass wir überhaupt noch lebende Tiere haben“, sagt Stähr. Außerdem sei es nie möglich, alle Wasserbewohner zu bergen. „Es ist immer Schadensbegrenzung.“

Umsiedlung in den Wiesensee

Die geretteten Fische ziehen in den nicht weit entfernten Wiesensee um, aber auch dort wirkt sich die Trockenheit aus. Der Wasserstand ist ebenfalls um 45 Zentimeter gesunken. Blaualgen machen sich breit, die nach ihrem Absterben Sauerstoff verbrauchen könnten. „Darauf sollte man sich vorbereiten“, rät der Teichwirt und empfiehlt, rechtzeitig Anlagen zur Oberflächenbelüftung des Wassers einzusetzen.

„Es war höchste Eisenbahn, dass wir hier was machen“, sagt Bürgermeister Heiko Senking (UWG) am Rand der Rettungsaktion. „Es ist schon dramatisch.“ Gleichzeitig bleibt die Frage nach der Zukunft des Ebstorfer Mühlenteichs – nicht nur als Naherholungsbereich, sondern als wertvoller Lebensraum. Unter anderem lebt hier die vom Aussterben bedrohte Wasserspitzmaus.

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