1700 Tiere werden umgesetzt

Rettungsaktion am Ebstorfer Mühlenteich: Fische ziehen um

Auch ein schwerer Wildkarpfen geht Patrick Stähr (rechts) und Mitarbeiter René Linkohr ins Netz. Auf ihrem Boot suchen sie heute nach überlebenden Teichmuscheln.
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Auch ein schwerer Wildkarpfen geht Patrick Stähr (rechts) und Mitarbeiter René Linkohr ins Netz. Auf ihrem Boot suchen sie heute nach überlebenden Teichmuscheln.

Ebstorf – Ein kühler Morgen am Ebstorfer Mühlenteich. Kalte-Füße-Wetter. Patrick Stähr, in Gummihosen, watet in den Schlamm, schiebt das Boot mit seinem Kollegen an und hechtet an Bord. Mit einer vier Meter langen Stange manövriert er das Gefährt in Richtung Mitte.

Die Rettungsaktion kann beginnen. Der Klosterflecken hat das Fachunternehmen des Ebstorfers engagiert, um die durch den niedrigen Wasserstand bedrohten Wasserbewohner zu evakuieren (AZ berichtete). Gestern ist es so weit.

Die Männer spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Der Regen, der in der vergangenen Woche gefallen ist, macht sich unterm Kiel bemerkbar. René Linkohr, roter Rauschebart und Zigarette im Mund, beugt sich vor und schiebt den großen Kescher durchs Wasser – und wirft zwei, drei silbrig zappelnde Fische in den Wasserbottich, der wegen der geringen Wassertiefe in einem mitgeführten Schlauchboot steht.

Die gefangenen Fische werden in Transportbehälter mit frischem Wasser umgefüllt.

Die Teichwirte fischen mit Strom. Deshalb darf niemand von den zehn Helfern des Angelvereins Schwienau und Umgebung ins Wasser. Etwa 135 Volt beträgt die Spannung zwischen Kescher und einer Litze im Heck des Boots. Das elektrische Feld lähmt die Fische in der Nähe. Ein Hecht wehrt sich heftig, landet aber doch im Bottich, ebenso wie ein schwerer Wildkarpfen.

Zurück am Ufer ein Zählappell. Patrick Stähr wirft einen Fisch nach dem anderen in den bereitstehenden Bottich mit klarem Wasser. Sein Mitarbeiter Luis Traxel notiert Güster, Rotaugen, Brassen, Barsche, Rotfedern, Plötzen, in einer Liste, bevor die Männer den schweren Plastikbehälter zum Weg tragen und in ein bereitstehendes Transportgefäß kippen. Zappelnd ergießen sich die geretteten Fische hinein. Einer trägt Blutspuren. Er ist dem Fischreiher noch einmal entwischt, der in dem flachen Wasser leichte Beute macht.

„Das sind überwiegend Fischarten, die hart im Nehmen sind“, kommentiert der Vorsitzende des Angelvereins Michael Kessler. „Man kann davon ausgehen, dass die empfindlichen Arten beim Fischsterben 2018 abgestorben sind.“

Im Bassin drücken sich die Wasserbewohner in die Ecken. Einzelne Fische liegen zunächst auf der Seite, richten sich aber bald wieder auf. Der Strom ist wie eine leichte Narkose. Das klare Wasser aus dem Hydranten reinigt aber auch die mit Schlamm verunreinigten Kiemen der Wasserbewohner.

Sie werden später von den Vereinsmitgliedern zum Wiesensee gebracht, der dank der Schwienau und des regelmäßigen Regenwasser-Zuflusses noch genug Wasser führt. Bei 10 Grad Wassertemperatur und einem pH-Wert von 8 dürften sich die Fische schnell akklimatisieren.

Langfristig muss ein Gesamtkonzept für den Mühlenteich her, meint Vereinsvorsitzender Kessler. Helfen könnte seiner Meinung nach auch eine Renaturierung der Schwienau mit Mäandern, eventuell auch mit kleinen Staustufen, denn der Pegel des Flusses beeinflusst den Wasserstand des Mühlenteichs.

Insgesamt 1700 Fische holen Stähr und Linkohr gestern aus dem traditionsreichen Gewässer, darunter auch Schleien und Giebel. Heute wollen die Teichwirte versuchen, überlebende Teichmuscheln aus dem Gewässer zu holen. Zwei winzige Exemplare der geschützten Art gehen ihnen gestern bereits als Beifang mit ins Netz. VON GERHARD STERNITZKE

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