Reise durch die mittelalterliche Welt: Anja Preiß veröffentlicht ein Buch zur Ebstorfer Weltkarte

Ein Schatz mit vielen Geheimnissen

Ein neues Buch soll die Hintergründe der Ebstorfer Weltkarte greifbarer machen. Fotos: Petersen

Ebstorf. Ein „großes Werk“, ein „herausragendes Kulturgut“, ein „besonderer Schatz“: Die Ebstorfer Weltkarte gilt nicht nur in Historikerkreisen als besonders wertvoll.

Bei einer Feierstunde zur Vorstellung des Buches „Die Ebstorfer Weltkarte – Reise in eine mittelalterliche Welt“, stand das historische Werk, von dem heute nur noch eine Kopie aus den 50er Jahren in den Klostergemäuern hängt, im Mittelpunkt.

Anja Preiß

Ein Makel hat sie jedoch, die größte überlieferte mittelalterliche Weltkarte: „Sie ist keine geografisch genaue Darstellung“, weiß Autorin Anja Preiß. „Wir alle finden uns sehr gut auf Karten zurecht“, diese Fähigkeit aber ließe sich beim Studieren der Ebstorfer Weltkarte nicht ohne weiteres anwenden. Orientierung soll Erwachsenen und besonders Jugendlichen das 75 Seiten starke Buch mit dem Untertitel „Reise in eine mittelalterliche Welt“ geben. Und diese Reise ist sieben Kapitel lang. Sie führt vom Alten Testament ins neue, folgt den Wegen von König Alexander dem Großen, beleuchtete die Welt der Tiere und antiken Mythologie und schließlich die Region um Ebstorf zu jener Zeit.

Die werde übrigens erstaunlich detailliert auf der fast 13 Quadratmeter großen Fläche wiedergegeben, verrät Anja Preiß. Nicht zuletzt dieser Punkt ließe sie zu der Annahme kommen, dass Nonnen des Ebstorfer Klosters dieses Kunstwerk in der Zeit um 1300 schufen. Tatsächlich ist die Frage nach dem Urheber bis heute nicht sicher geklärt. Lange Zeit wurde Gervasius von Tilbury als Autor angenommen, was einige spätere Untersuchungen allerdings nicht belegen konnten. Und die Karte birgt noch viele weitere Geheimnisse. Einige von ihnen werden in Anja Preiß’ Buch beleuchtet.

Nachdem die Karte 1943 bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg verbrannte, wurden in den 50er Jahren vier originalgetreue Kopien erstellt – eine hängt heute an ihrem ursprünglichen Fundort, im Kloster Ebstorf.

Erika Krüger

Dunkel ist er, der Raum inmitten der kühlen Gemäuer, in dem die wertvolle Kopie bewahrt wird. Sie hängt an einer Wand, gut versteckt hinter einem grauen Schutzvorhang. Äbtissin Erika Krüger drückt einen Knopf, plötzlich springt das Licht an und einzig die mehr als 3,50 Meter hohe Karte wird hell erleuchtet. Gemäuer sind zu erkennen, Klöster und Gewässer in roter, grüner und blassblauer Farbe. „Mehr als 2000 einzelne Bilder und Texte überziehen ihre Fläche“, erklärt Anja Preiß. Besonders aussagekräftig seien die mehr als 60 Tiermotive, denen sie in ihrem Buch ein ganzes Kapitel widmet. Darin schreibt die Autorin: „(...) so finden sich zum Beispiel im Wesen der Tiere symbolische Parallelen zum Leben Jesu Christi oder auch zu christlichen Tugenden.“ Dazu werden Löwe, Pelikan, Antilope und Co. auf Fotos von Joachim Blobel gezeigt. Hauptanliegen des Buches sei es, erklärt Preiß während ihrer Buchpräsentation, das Bewusstsein für Kunst, Kultur und Geschichte zu wahren – und auch für Jugendliche interessant zu gestalten. Die Weltkarte versteht sie als Spiegel des Wissens und der literarischen Bildung der damaligen Zeit. Und Äbtissin Erika Krüger lobt: „Das Buch ist für uns ein wesentlicher Bestandteil einer Arbeit über die Weltkarte insgesamt.“

Von Anna Petersen

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