Paten für süße Ferkel gesucht

Auf dem Gnadenhof von Sabine Bracker dürfen auch Nutztiere alt werden

Sabine Bracker füttert die Hängebauchschwein-Ferkel auf ihrem Gnadenhof.
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Die Hängebauchschwein-Ferkel auf dem Gnadenhof bei Oetzfelde mögen gern Mohrrüben, Obst und vegetarisches Hundefutter. Jetzt sucht Sabine Bracker Paten für die süßen Borstentiere.

Finchen lässt sich nicht lange bitten. Die Sau begrüßt neugierig die Besucher und lässt sich kurz über die rauen Borsten streichen, dann trottet sie zum Wegrand, wo sie sich über die grünen Grasbüschel hermacht. Finchen ist eine Bewohnerin des Gnadenhofs auf dem Fuchsberg bei Oetzfelde.

Oetzfelde – Das kleine Ferkel, das im vorigen Frühjahr vermutlich von einem Transporter auf die A 7 bei Hannover purzelte und von der Polizei aufgesammelt wurde, schaffte es sogar in die Nachrichten. Inzwischen ist es eine Dame. Sabine Bracker lockt das Borstentier mit der Futterschüssel in Richtung Außengehege, doch Finchen biegt noch einmal in einen anderen Stall ab.

Als nächstes sind die Hängebauchschweine dran. Grunzend folgen sie der Futterschüssel zum Außengehege unter Eichen. Nur Stall und kleiner Auslauf sind Sabine Bracker zu wenig: „Dafür sind Schweine zu intelligent“, sagt die 46-Jährige, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. „Die wollen auch mal rausgehen und Pipi machen.“

 Die Tiere dürfen einfach so sein, wie sie sind – so wie ich auch.

Sabine Bracker, Betreiberin des Gnadenhofs

Auf dem Gnadenhof stehen die Bedürfnisse der 83 Tiere von der Ziege bis zum Pferd im Mittelpunkt. Die übliche Verwertungslogik – mit möglichst wenig Kosten möglichst viel Fleisch oder Milch erzeugen – gilt hier nicht mehr. „Die Tiere dürfen einfach so sein, wie sie sind – so wie ich auch“, erklärt die gelernte Fotolaborantin.

Mit der Futterschüssel lotst Sabine Bracker Sau Finchen in Richtung des Außengeheges.

Schon als Jugendliche in Bad Bodenteich nahm sie verletzte Igel auf. Später pflegte sie körperlich behinderte Katzen. Vor acht Jahren gründete sie dann bei Wolfenbüttel den Gnadenhof Niedersachsen und den Verein für misshandelte Tiere. Schon dort nahm sie vernachlässigte und misshandelte Tiere vom Veterinäramt und vom Tierheim auf. Vor einem Jahr – „Ich hatte 13 Jahre Heimweh“ – bot sich dann die Gelegenheit zum Umzug auf den Fuchsberg, viereinhalb Hektar Land fernab von Nachbarn, die sich am Quieken der Schweine stören könnten.

Der Gnadenhof ist eine Lebensaufgabe. 14 Stunden am Tag ist Sabine Bracken mit der Versorgung ihrer Schützlinge beschäftigt, nur unterstützt von einer Hilfskraft, die ein Sponsor bezahlt. Urlaub ist ein Fremdwort. Zudem erschwert Corona die Finanzierung, das Spendenaufkommen ist zurückgegangen. „Man kann kein Futter kaufen. Für uns ist das nicht einschätzbar.“

Stall muss saniert werden

Dabei wird es langsam eng. Kurz nachdem Sabine Bracker die Hängebauchschweine aufgenommen hatte, die stark unterernährt, verwurmt und räudig ankamen, war auch schon der Nachwuchs da. 16 Ferkel wuseln jetzt in einem eilends errichteten Gehege im Pferdestall. Für sie sucht Sabine Bracker jetzt Paten, die für Futter spenden oder Geld für eine Unterkunft geben. Denn bis die süßen Rüsseltiere groß sind, muss ein alter Stall mit einsturzgefährdeter Decke saniert werden, Strom und Wasser verlegt werden. Auch Handwerker sind willkommen.

Die Ferkel an Interessierte abzugeben, kommt für Sabine Bracker nicht infrage. „Die Hängebauchschweine werden auch größer und beißen mal. Damit kommen die wenigsten Tierhalter klar. Die meisten kommen nach einem Jahr wieder“, hat sie beobachtet. Und dann lassen sich die Tiere nicht mehr in ihre Gruppe integrieren. Hier auf dem Gnadenhof ist jedes auf seinem Platz – wie in einer großen Familie.

• www.gnadenhof-niedersachsen.de, (0 58 22) 95 896 68

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