Neues Gesicht, alter Charme

Pastorin Susanne Hallwaß, Kirchenvorsteherin Carmen Stutzbach-Suhm, Pastorin Anne Stucke und Architektin Annette von Bismarck-Osten (von links) freuen sich auf den Baubeginn am alten Küsterhaus (hinten).

Ebstorf - Von Wiebke Brütt. Gut vier Jahre hat es gedauert, nun steht die Finanzierung für die Sanierung des Küsterhauses am Kirchplatz in Ebstorf. Etwa 377 000 Euro soll der Umbau des rund 150 Jahre alten Gebäudes kosten. Auf der jüngsten Gemeindeversammlung informierten Kirchenvorstand und Annette von Bismack-Osten vom „Architekturbüro von Bismarck-Osten und Moritz“ darüber, welche Schritte nötig sind, damit das verwohnte Haus in neuem Glanz erstrahlen kann.

„An so einem historischen Platz besteht immer ein ganz heikles Gleichgewicht“ , erklärte Annette von Bismarck-Osten, „darum muss man sich bei so einer Sanierung stets fragen: Wie viel Neues verträgt der Platz?“ Im Fall des Küsterhauses, schräg gegenüber der Klosterkirche, waren sich Kirchenvorstand und Architektin einig: Der Umbau soll sich möglichst nah am historischen Vorbild orientieren – um das Kirchplatz-Ensemble nicht zu stören. „Wir können sehr viel von dem alten Haus benutzen. Es ist einfach ein hochwertiges Gebäude. Darum ist es auch keine Alternative, das Haus abzureißen und einen Neubau hinzustellen“, erklärt von Bismarck-Osten.

Wenn etwas ersetzt werden muss, sollen stilgerecht alte BauMaterialien verwendet werden. „Die Fassade wird so aussehen, als ob es das alte Haus ist – aber unauffällig repariert“, sagt die Architektin. Dieses unauffällig Reparieren betrifft beispielsweise den Westgiebel des Hauses. Hier soll eine Holzverschalung das Haus vor Wetterschäden schützen. Alle Ständer bleiben erhalten, im Innenraum bleiben zumindest die Hauptwände stehen.

Wenn alles fertig ist, soll in das frisch sanierte, ehemalige Küsterhaus die Pastorin einziehen. Das jetzige Pfarrhaus, das versetzt, hinter dem Küsterhaus liegt, kann dann privat genutzt werden.

Inzwischen gibt es auch schon Planungen, neben dem Küsterhaus eine Scheune zu errichten, in der Fahrzeuge untergestellt werden könnten – das ist aber noch Zukunftsmusik, die in die Kalkulationen noch nicht einbezogen wurde.

Noch sind die Gewerke nicht ausgeschrieben und ein Gutachten der Denkmalpflege steht noch aus. Dennoch sollen im Mai die Arbeiten am ersten Bauabschnitt beginnen – also dem reinen Umbau des Küsterhauses. „Wir hoffen, dass dieses Jahr dann auch alles abgeschlossen werden kann“, sagt Pastorin Anne Stucke.

Finanziert werden die Maßnahmen zum Teil über Zuschüsse, aber auch aus Eigenleistung – zum Beispiel durch den Verkauf des Gemeindebüros an der Hauptstraße. Denn die Kirche hat schlicht zu viele Immobilien. Das stellte die Landeskirche bereits 2006 fest. Mit der Entscheidung, sich vom Gebäude an der Hauptstraße zu trennen und statt dessen das Küsterhaus am Kirchplatz zu erhalten, schlägt die Kirchengemeinde Ebstorf zwei Fliegen mit einer Klappe: Das historische Ensemble am Kirchplatz wird gesichert und einer Forderung der Hannoverschen Landeskirche Rechnung getragen: kirchennahe Gebäude so lange wie möglich zu halten (AZ berichtete). Stucke: „Nach all den Planungen sind wir nun alle wirklich ungeduldig und freuen uns darauf, endlich anfangen zu können.“

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