Power für die Strom-Autobahn

Netzbetreiber Tennet investiert Millionen in das Umspannwerk Stadorf

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Im Umspannwerk Stadorf laufen die Bauarbeiten für die Sanierung und Erweiterung. Der Betreiber Tennet investiert einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, um die Netzstabilität zu erhöhen.

Stadorf – Der Strom kommt aus der Steckdose, lautet ein Bonmot. Es soll ausdrücken, dass die elektrische Energie auch erzeugt werden muss.

Im Uelzener Kreisgebiet und in Teilen der Nachbarkreise Heidekreis und Lüchow-Dannenberg fließt sie durch das Umspannwerk Stadorf, wenn Lampen leuchten, Herde heizen und Computer in Betrieb hochfahren. Damit das auch in Zukunft so ist, investiert der Netzbetreiber Tennet bis Anfang 2023 einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die Anlage.

Bereits im Herbst haben die Vorarbeiten begonnen. Container wurden aufgestellt, Boden bewegt. Frische Fundamentblöcke und neue torartige Tragkonstruktionen stehen bereit. Das Umspannwerk aus den 1980er-Jahren wird modernisiert und vergrößert. Unter anderem wird ein 270 Tonnen schwerer neuer Transformator per Bahn und Schwertransport nach Stadorf geliefert. Darüber hinaus geht es darum, das Hochspannungsnetz für immer höhere Einspeisungen aus der Windenergie zu stabilisieren. Dafür wird im nächsten Jahr eine sogenannte TCSC-Anlage installiert.

„Strom sucht wie Wasser immer den kürzesten Weg“, erklärt Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht. Derzeit fließt der Strom der Windräder an der Küste und in der Nordsee über Stade in Richtung Süddeutschland. „Diese Leitung ist ständig überlastet“, berichtet der Sprecher. Um sie zu entlasten, soll Strom über die 380-Kilovolt-Leitung Krümmel-Peine, also über das Umspannwerk Stadorf, umgeleitet werden. Das ermöglicht die TCSC-Anlage, die den Leitungswiderstand künstlich herabsetzt. Es ist für Tennet die erste Anlage dieser Art deutschlandweit.

Die Millioneninvestition ist eine Reaktion auf den schnellen Windkraftaufbau in den vergangenen Jahren. Auch die geplante Neubautrasse Südlink werde nicht ausreichen, um die Mengen des norddeutschen Windstroms zu den großen Verbrauchern in Süddeutschland zu bringen, betont Lieberknecht. „Wenn die Offshoreparks ausgebaut werden, brauchen wir noch viel mehr als Südlink.“ Deshalb soll auch das bestehende Netz optimiert werden.

Bislang müssen Windkraftbetreiber ihre Anlagen häufig abschalten, wenn das Stromnetz die Energie nicht aufnehmen kann. Durch die Aufrüstung des Umspannwerks könnten diese Abschaltzeiten reduziert werden, und das komme auch den Verbrauchern zugute, betont Lieberknecht, denn für die Abschaltung erhalten die Windparkbetreiber eine Entschädigung, die sich letztlich auch im Strompreis niederschlägt.

Zu den Maßnahmen, die das Stromnetz optimieren sollen, zählen sogenannte Phasenschutz-Anlagen, die einzelne Leitungstrassen zu- oder abschalten können. Oder das Freileitungs-Monitoring. Dabei messen kleine Wetterstationen auf den Masten der Überlandleitungen Temperatur und und Windstärke. Weht der Wind stärker und kühlt die Leitungen, dann kann mehr Strom hindurchgeleitet werden.

Bereits vor vier Jahren hat der Netzbetreiber Tennet 3,5 Millionen Euro in das Umspannwerk Stadorf investiert. Damals wurden Anlagen installiert, die in Sekundenschnelle Stromschwankungen im Stromnetz ausgleichen.

VON GERHARD STERNITZKE

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