Sorge vor weiteren Rissen im Landkreis Uelzen

Nachtwache soll Schafherde vor Wolf schützen

Schäfer Gerd Jahnke (links) und Günther Winkelmann vor einer der Kameras, die bei Hol-husen I installiert sind, um die Schafherde vor dem Wolf zu schützen.
+
Mit moderner Technik wie Kameras schützt Schäfer Gerd Jahnke (links) seine Herde. Günther Winkelmann ist einer der Freiwilligen, die bei der Herde übernachten.
  • Lars Lohmann
    vonLars Lohmann
    schließen

Ferngesteuerte Kameras, Nachtsichtgeräte und Ferngläser, zwei Herdenschutzhunde und ein mobiler Zaun, der als wolfssicher gilt: Schäfer Gerd Jahnke von der Glockenbergsschäferei in Eimke schützt seine Herde, die zurzeit bei Holthusen I weidet, bestmöglich vor dem Wolf. Doch all diese Maßnahmen allein reichen nicht, um die Herde ausreichend zu schützen. Daher wechseln sich er, seine Tochter Verena und Freunde dabei ab, in einem Wohnwagen bei der Herde zu übernachten, um die Wölfe zu vertreiben.

Holthusen I – „Ohne ihre Hilfe hätte ich aufgeben müssen“, sagt Jahnke. Er und seine Tochter verbringen fast immer schlaflose Nächte aus Sorge um die vier Herden, die zurzeit Ölrettich und andere Zwischenpflanzen von den Feldern der Landwirte abgrasen. Verena Jahnke kann über ihr Smartphone auf die Kameras zugreifen und diese steuern, um so die Schafherde und die Umgebung im Blick zu behalten.

Teile der Technik hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz zur Verfügung gestellt. Auch Tonaufnahmen sind möglich. Auf diesen ist zu hören, wie die Herdenschutzhunde Alarm geben, ebenso erklingt das Geheul eines ganzen Wolfsrudels. 1500 Euro wurden in Nachtsichtgeräte und Co. investiert. Zudem sind einzelne Schafe mit GPS-Sendern ausgestattet, die automatisch Alarm auslösen, wenn die Tiere den eingezäunten Bereich verlassen.

Wolfsangriffe mehrmals die Woche

Erst in der Nacht zu gestern hatten sich die Wölfe der Herde bei Holthusen I wieder genähert. „Die Wachmannschaft konnte mindestens fünf Wölfe, die zuvor durch die Hunde gemeldet wurden, mit dem Auto vertreiben und die ausgebrochenen Schafe wieder einsperren“, berichtet Jahnke. Wolfsangriffe kommen mehrmals die Woche vor. 70 000 Euro hat er im vergangenen Jahr aufgewendet, um seine Schafe vor dem Wolf zu schützen. „Es bleibt insgesamt viel Arbeit liegen, weil der Aufwand größer geworden ist“, erklärt Jahnke. So werde er eine der vier Herden, die zurzeit bei Westergellersen steht, nicht wandernd zu einer anderen Herde treiben, sondern im Viehtransporter einladen müssen, da es für die Tiere ansonsten zu gefährlich wird.

„Es geht nicht nur um die Schäfer, sondern um die gesamte Weidetierhaltung, die gefährdet ist“, sagt Günther Winkelmann, der die Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer Nord-Ost-Heide mitgegründet hat und nachts im Wohnwagen Jahnkes Schafe bewacht. Er nehme kurze Nächte mit wenig Schlaf in Kauf, um Jahnke zu helfen. Dabei sei es nicht das Ziel, die Wölfe auszurotten, sondern einen vernünftigen Bestand zu haben, sodass sowohl Wolf als auch Weidetierhaltung existieren können. „Ansonsten stehen am Ende alle Tiere im Stall, und das will keiner“, sagt Winkelmann. Der Wolf müsse lernen, dass der Mensch gefährlich sei.

Sorge um die Tiere undwirtschaftlicher Verlust

Die Kosten für eine Unterbringung im Stall wären wesentlich höher, weiß Jahnke. Denn die Tiere brauchen natürlich das Futter, das sie ansonsten auf den Feldern finden. „Zurzeit kann ich aber noch nicht einmal alle Anfragen von Landwirten abarbeiten“, sagt Jahnke. Hinzu kommen die Sorge um die Tiere und der wirtschaftliche Verlust. „Die Schafe sind im Dauerstress und viele verlieren ihre Lämmer“, berichtet Jahnke. Sobald die Herdenschutzhunde – Jahnke hat insgesamt elf – in der Nacht Alarm geben, weil Wölfe in der Nähe sind, gerät die Herde in Panik.

Diese Unruhe machen sich die Wölfe zunutze und setzen die Tiere gezielt in Panik, damit sie den Zaun umrennen. „In anderen Fällen lenken die Wölfe die Herdenschutzhunde ab, und andere Wölfe springen auf der anderen Seite in die Herde“, berichtet Jahnke.

Während laut Winkelmann auf Landesebene die Problematik erkannt worden sei, gebe es auf Bundesebene noch kein Bewusstsein für die Probleme der Weidetierhalter. „Die Bundesumweltministerin Frau Schulze kann gerne mal eine Nacht mitmachen“, sagt Winkelmann. Für Schäfer Jahnke ist die Grenze der Belastbarkeit unterdessen fast erreicht: „Ich weiß nicht, wie lange ich meiner Familie diesen Stress noch weiter zumuten kann.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare