Ebstorfer wird mit Facebook-Eintrag zum viralen Internet-Hit

Nach umstrittener AfD-Plakat-Aktion von Heiko Senking: Darf ein Bürgermeister das?

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Nach nicht einmal 24 Stunden zählt der Facebook-Eintrag von Heiko Senking mehr als 130.000 Reaktionen.

Ebstorf. Zehntausende von Reaktionen in den sozialen Netzwerken des Internets hat Heiko Senking mit einer außergewöhnlichen Aktion ausgelöst:

Der Vorsitzende des TuS Ebstorf, der auch Bürgermeister des Klosterfleckens und Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) ist, hat ein Plakat der Alternative für Deutschland (AfD) entfernt, das vor der Geschäftsstelle des Sportvereins an der Ebstorfer Bahnhofstraße angebracht worden war. Er habe das Plakat „als gezielte Provokation“ empfunden, „die ich nun abgestellt habe“.

Und: Senking machte seine Aktion im Internet öffentlich. In den sozialen Netzwerken wie Facebook lasen mehrere hundertausend Nutzer den Beitrag, in rasender Geschwindigkeit verbreiteten die Nutzer die von Senking gepostete Nachricht in alle Himmelsrichtungen, es gab mehrere tausend Kommentare. „Das hätte ich so nicht erwartet“, räumt Ebstorfs Bürgermeister heute auf AZ-Nachfrage ein. „ich bin es zwar gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen, aber das ist schon befremdlich.“

Sein Handy sei kurz nach seiner Veröffentlichung im weltweiten Netz „geflutet“ worden. Er habe Freundschaftsanfragen erhalten, der Vorsitzende des Landessportbunds habe seine Solidarität mit ihm erklärt. „98 Prozent der Reaktionen waren positiv“, bilanziert Senking.

Doch es gab auch Kritik. „Ich wurde aufgefordert, zurückzutreten“, berichtet Senking. „Aber ich habe das ja nicht für mich gemacht, sondern für meine Leute.“ In einem offenen Brief an die AfD hatte der Ebstorfer geschrieben, für ihn sei es „unerträglich, dass meine Mitglieder, die (...) in jeglicher Hinsicht kunterbunt gemischt sind, an diesem Schild vorbei in die Geschäftsstelle gehen mussten“.

Dass er mit seiner Aktion eine Straftat begangen hat, ist ihm völlig klar – Heiko Senking ist Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft in Lüneburg. Und so hat der Ebstorfer nach dem Abhängen des Plakats auch gleich bei seinem Arbeitgeber Selbstanzeige erstattet. Angelika Klee, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, bestätigt dies auf Nachfrage. „Wir prüfen eine mögliche Sachbeschädigung“, sagt sie. Zu dem Umstand, dass diese mögliche Sachbeschädigung ein Mitarbeiter begangen hat, könne sie noch nichts sagen. Man werde jetzt alle notwendigen Informationen einholen und dann die Angelegenheit bewerten.

Beim AfD-Kreisverband indes hat man bereits eine klare Meinung zu dem Vorfall. „ Das Problem ist, dass Herr Senking nicht nur Vorsitzender des Sportvereins ist, sondern auch Bürgermeister und damit eine Person, die der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet ist“, sagt Maik Hieke, Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes. „Und wenn das hier von der Mehrheit gut geheißen wird, dann ist solchen Dingen Tür und Tor geöffnet.“ Die AfD behalte sich rechtliche Schritte vor, sagt Hieke.

Von Ines Bräutigam

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