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Museums-Bahnhof und Bahnstrecke Uelzen-Langwedel werden 150 Jahre alt

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Col. Reb Custer im Fahrkartenschalter.
Col. Reb Custer im Fahrkartenschalter des Ebstorfer Bahnhofs. In diesem Jahr feiert er den 150. Geburtstag von Bahnstrecke und Bahnhof. © Sternitzke, Gerhard

Alles geht ganz schnell. Eine Lok fährt im Ebstorfer Bahnhof auf einen haltenden Zug auf. Ein Waggon springt aus den Schienen. „Jetzt habe ich einen kleinen Crash gebaut“, kommentiert Colonel Reb Custer entspannt. „Wenn es kalt ist, das haben die nicht gern.“ Und seinen Ebstorfer Museumsbahnhof – das Original – kann er nun mal im Winter nicht heizen. Zum Jubiläum am 15. April hat der 68-Jährige die Anlage gleich zweimal im Modell nachgebaut. Die Bahnstrecke Uelzen-Langwedel – und mit ihr der Bahnhof – wird 150 Jahre alt.

Ebstorf – Jeweils dreimal täglich geht es damals mit der Dampflok in Richtung Bremen und Berlin, wie ein Fahrplan aus dem Jahr 1880 belegt. Die knapp 100 Kilometer lange Strecke wird von der Magdeburg-Halberstädter Privatbahn 1873 eröffnet, finanziert mit Bremer Geld sowie 5000 Mark aus Ebstorf. Die Investition lohnt sich nicht nur für Bürgermeister Warnecke, der das Bahnhofsgebäude errichtet.

Wenn alles fertig werden soll, muss ich 150 werden.Reb Custer, Museumsbahner

Col. Reb Custer, Museumsbahner

Rund 200 Menschen müssen später bei der Reichsbahn, bei den Vereinigten Saatzuchten, bei der Essigfabrik Suhr und dem Kohlenhandel Kort beschäftigt gewesen sein, schätzt Museumsbahner Custer. Ebstorf sähe heute vielleicht anders aus, wären die Schienen auf einer anderen Trasse verlegt worden. Ab 1906 war die Strecke zweigleisig.

Kaum zu glauben: Ein Plan des Bahnhofs belegt, dass der Haltepunkt Ebstorf einmal acht Gleise zählte. So hat Custer die Anlage nachgebaut, die nach seinen Recherchen eine wichtige Rolle auf der Amerikalinie spielte. Unzählige Auswanderer aus Russland, Polen, Ostdeutschland und Ungarn genutzt suchten auf diesem Weg ihr Glück in der neuen Welt. Vom nachgebauten Haltepunkt Berlin-Ruhland mit seinen Baracken geht es über Ebstorf nach Bremerhaven, wo die Auswandererdampfer starten.

Custer hat errechnet, dass eine Beladung der Lokomotiven bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern genau bis nach Ebstorf reichte, wo neue Kohlen geladen und der Wasserkessel aufgefüllt wurde. Die Klosterdamen verteilten Suppe und betreuten die Menschen, die in notdürftig umgerüsteten Güterwaggons reisten. Für Custer Grund genug, vom Auswanderer-Bahnhof zu sprechen. Sein Privatmuseum wurde 2020 vom Museumsverband anerkannt. Er sucht weiterhin Zeitdokumente von Auswanderern.

Die Strecke über Ebstorf war eine der Letzten dampfbetriebenen. Noch 1978 sollen Soldatenzüge mit Lokomotiven von Berlin nach Munster gefahren sein. Zum Jubiläum wäre es naheliegend, eine Dampflok anrollen zu lassen, doch die Umstände durchkreuzten die Pläne. „Die Kohle hat sich extrem verteuert“, erklärt Custer. Aber eine historische Diesellok mit alten Waggons soll es schon sein.

Der Sonderzug soll Ebstorf vom 15. bis 20. Mai ansteuern, 150 Jahre nach dem ersten Zug. Das Jubiläum des Bahnbaus am 15. April wird mit einem Empfang gefeiert. Auch eine neue CD mit „Texanischen Liedern“ von Hoffmann von Fallersleben, der ebenfalls auswandern wollte, will der Countrysänger veröffentlichen.

Zu tun ist für den Einzelkämpfer noch viel. Die historischen Türen des Bahnhofs müssen aufgearbeitet werden, versiert geht der Musiker mit der Maurerkelle um. An einer Wand hat Custer die ursprüngliche Wanddekoration der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn im Wartesaal der dritten und vierten Klasse freigelegt. „Wenn alles fertig werden soll, muss ich 150 werden.“

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