Antrag für Schweinestall: Bürgergruppe und Arboretum schalten Anwalt ein

Melzinger haben die Nase voll

Kämpfen für Alternativ-Standort: Ein Schweinemaststall in unmittelbarer Nähe zum Ort und in Sichtweite des Arboretums – ein entsprechender Bauantrag bringt Einwohner Melzingens auf die Barrikaden. Foto: dpa

Melzingen. Der Widerstand gegen den Bau eines Schweinemaststalls in Melzingen erhärtet sich.

Die Bürgergruppe, in der viele Grundstücksbesitzer Melzingens organisiert sind, und die Christa-von-Winning-Stiftung, die das Arboretum finanziert, haben sich Unterstützung von einem Fachanwalt aus Hamburg geholt. Der Grund: Sie wollen verhindern, dass ein Melzinger Landwirt seine bestehende Ferkelaufzucht in unmittelbarer Nähe zum Ortskern auf dem Süstedter Berge um knapp 4000 Plätze erweitert (die AZ berichtete).

Der vollständige Bauantrag des Landwirts liegt inzwischen bei der Genehmigungsbehörde, dem Landkreis, vor. Diese Unterlagen samt Umweltverträglichkeitsgutachten können noch bis zum 20. Oktober beim Landkreis Uelzen im Raum 146 oder bei der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf im Zimmer 41 eingesehen werden. Einwendungen gegen das Bauvorhaben müssen bis zum 4. November eingereicht werden. Die Gemeinde Schwienau hat sich bereits kritisch zu dem Bauvorhaben geäußert.

Vertreter der Bürgergruppe und des Arboretums haben Kopien der Unterlagen inzwischen zu ihrem Anwalt nach Hamburg geschickt. Der soll, finanziert durch Spenden betroffener Melzinger und Gelder der Stiftung, Schwachstellen im Bauantrag finden. „Jetzt kommt es auf juristische Feinheiten an, um die sich ein Fachmann kümmern muss“, erklärt Jörg Tilly, Vorstandsmitglied der Christa-von-Winning-Stiftung.

Die Einwohner des Ortes im Westen der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf argumentieren vor allem mit der Wertminderung ihrer Grundstücke durch einen zusätzlichen Schweinemaststall sowie der weiteren Verschlechterung ihrer Lebensqualität – immerhin wird das Pro-Kopf-Schweineaufkommen in Melzingen bereits heute auf 30 bis 35 pro Einwohner geschätzt. Für das Arboretum in Melzingen könnte das Bauvorhaben in Sichtweite des Parks zur existentiellen Bedrohung werden. „Es ist bereits ein Ferkelstall mit 700 Tieren in der Nähe vorhanden. Wenn der Wind ungünstig steht, flüchten unsere Gäste schon heute von der Terrasse“, sagt Tilly. Gehen die Gästezahlen zurück, bedeutet das für das Arboretum vor allem finanzielle Probleme. „Wenn unser Garten an Attraktivität verliert, entweder wegen des Geruchs oder weil unsere empfindlichen Pflanzen durch Ammoniak Schaden nehmen, kann das soweit gehen, dass wir das Arboretum nicht mehr halten können“, erklärt Tilly. Das Arboretum wird über Spenden- und Eintrittsgelder finanziert. Das Kapital der Stiftung ist der Grundbesitz – zu dessen Schutz die Stiftung wiederum verpflichtet ist. Tilly: „Wir haben keine andere Wahl, als uns dafür einzusetzen, dass der Stall an einem anderen Standort entsteht.“

Von Wiebke Brütt

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