Überführter Täter aus Ebstorf erhält sieben Jahre / Auslöser für Schießerei bleibt ungeklärt

Mehrjährige Haftstrafen für Bluttat

Festnahme durch das SEK in Ebstorf: Im November wurde der 53-jährige Tahsin A. im Klosterflecken überführt. Archivfoto: Eggeling

Lüneburg/Ebstorf. Während sich Tahsin A. (53) ernst mit seinem Verteidiger unterhält, spaßen seine Brüder Alihan (40) und Ahmet (30). Die 4. Große Strafkammer betritt Saal 21 im Landgericht, der Vorsitzende Richter Franz Kompisch verkündet das Urteil – und schnell verschwindet das Lächeln aus den Gesichtern:

Wegen gemeinschaftlichem versuchten Totschlags in zwei Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erhält Ahmet A. elf Jahre Haft, Alihan A. neun Jahre und Tahsin A. sieben Jahre.

Während seine Brüder ihre Tatbeteiligung in ihren letzten Worten eingestanden hatten und ein wenig Reue zeigten, blieb der 30-Jährige stur: ,,Ich bin unschuldig.“

,,In dieser Stadt gibt es so etwas wie eine Subkultur“, wenngleich der Begriff ,,Kultur“ hier nicht die treffende Bezeichnung sei, leitete Kompisch die Urteilsbegründung ein und sprach die Vorgeschichte für das brutale Verbrechen am 5. Oktober 2011 in der Rotehahnstraße an, bei dem der griechische Wirt des Sportcafés und ein unbeteiligter Gast schwerste Verletzungen erlitten, nur durch Glück dem Tode entkamen. Tahsin H. wurde am 18. November in Ebstorf von der Polizei festgenommen.

Der Richter skizzierte das Verhältnis der kurdischen Täter und der griechischen Opfer: ,,Die Familien kennen sich seit Jahren, es gibt gewisse geschäftliche Überschneidungen. Vor zwei Jahren dann gab’s Probleme mit der Zimmervermietung für Prostituierte“, die Angeklagten hätten in das vom griechischen Wirt betriebene Geschäft einsteigen wollen. Nach außen hin habe es danach eine Art Burgfrieden gegeben, wenngleich die Konkurrenzsituation weiter im Raum gestanden habe. Was letztlich der Auslöser für die Bluttat war, konnte das Schwurgericht nicht klären, geht aber davon aus, dass er im Zusammenhang steht mit einem Geschehen vom Vortag: Da kam es vor dem Landgericht zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden jüngeren Angeklagten auf der einen und dem Wirt und einem jugoslawischen Bekannten auf der anderen Seite, bei dem der Jugoslawe Alihan A. mit einer Pistole gegen den Kopf schlug und ihn verletzte.

Die Tat am 5. Oktober hatte aus Sicht der Strafkammer einen ,,hohen Grad planerischer Struktur“, in die alle Angeklagten einbezogen waren. Allerdings konnten die Richter keine sicheren Feststellungen treffen, ob die von Ahmet A. abgegebenen Schüsse ,,nur eine Bestrafung“ für den Wirt sein sollten oder ob das Opfer laut Plan umgebracht werden sollte.

Der Staatsanwalt war von versuchtem Mord ausgegangen, hatte lebenslängliche Freiheitsstrafen gefordert. Dem konnte das Gericht nicht folgen, da es keine sicheren Grundlagen für Mordmerkmale feststellen konnte. Habgier sahen die Richter nicht, da es keine Beweise etwa für eine Schutzgelderpressung gibt. Zwar sei am Tatnachmittag in einem Anruf von 50 000 Euro die Rede geweseen, allerdings sei dort auch gesagt worden, dem Wirt würden ,,die Knochen gebrochen“, auch wenn er zahle.

Auch niedere Beweggründe scheiden aus, denn: ,,Wir kennen die Motive nicht, die Hintergründe für die Tat bleiben uns verschlossen.“ Kompisch schloss die Urteilsbegründung am 16. Tag des unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattgefundenen Verfahrens mit einem Dank an alle Beteiligten – ,,für die friedliche und zielführende Atmosphäre“.

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