Nicole Brandt kümmert sich beim TuS Ebstorf um Flüchtlinge und sozial Schwache

„Mädchen für alles“

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„Ich mache das, weil es einfach Spaß macht und weil ich Kinder unheimlich gern mag“, sagt Nicole Brandt, erste Verantwortungsbürgerin beim TuS Ebstorf.

Ebstorf. Seit Jahren kümmert sich Nicole Brandt um Migranten und Kinder aus sozial schwachen Familien. Seit dem Jahreswechsel trägt sich auch den passenden Titel: Die 41-Jährige ist Verantwortungsbürgerin beim TuS Ebstorf, die erste im Landkreis Uelzen.

Nach dem ersten halben Jahr kann die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation bereits eine erfolgreiche Bilanz ziehen. Die AZ trifft sie am Vereinsheim an der Stadionstraße.

„Ich mache das, weil es einfach Spaß macht und weil ich Kinder unheimlich gern mag“, sagt die Mutter eines 14-Jährigen, die sich bereits als stellvertretende Abteilungsleiterin der Judoabteilung und als Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst für Benachteiligte engagiert hat. „Mein Beruf ist mein Hobby“, sagt sie.

In ihrem ersten halben Jahr hat sie unter anderem einen Fahrradkurs für Migranten mit der Polizei und der Verkehrswacht organisiert, in dem die Verkehrsregeln erklärt und geübt wurden. An einem Schwimmkurs nahmen Männer und Frauen aus Syrien und Afrika teil. Und für die Übungsleiter veranstaltete sie einen Workshop über Traumata und Mobbing bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen.

Vielleicht am meisten erreicht die Verantwortungsbürgerin aber durch die Sport-Arbeitsgemeinschaften, die sie an der Mauritius-Schule leitet – eine gute Gelegenheit, um den Nachwuchs auf die Sportangebote des TuS hinzuweisen. „Am Anfang haben die Migrantenkinder Berührungsängste. Sie kennen die Leute nicht. Sie können die Sprache nicht“, berichtet Nicole Brandt. „Was mir wichtig ist, dass sie rauskommen. Ich will, dass sie eine sinnvolle Beschäftigung haben, damit sie keinen Unsinn machen. Die Sprache lernen sie am ehesten beim Sport.“ Besonders angesagt bei den Flüchtlingskindern sind Selbstverteidigung und Fußball. „Das ist eine Sportart, die ohne Sprache funktioniert. Sie hat wenig Regeln“, erklärt Nicole Brandt.

Für ihre Arbeit gibt es kaum Grenzen. So hat die Verantwortungsbürgerin die Familie eines Kindes auch bei Behördengängen und zum Arzt begleitet. „Mädchen für alles“ nennt sie sich selbst. Bestens vernetzt im Klosterflecken arbeitet sie eng mit dem Mehrgenerationenhaus und der Mauritiusschule zusammen.

Erster Vorsitzender Heiko Senking sieht den Einsatz der Verantwortungsbürgerin, der vom Landessportbund finanziert wird, als Gewinn für den TuS Ebstorf und für die Integration im Verein. „Das macht einen ein bisschen stolz, wenn man solche Leute hat.“

Von Gerhard Sternitzke

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