Ganztagsschulen: Heftige Debatte über Reihenfolge und Kommunikation / Wriedel ist als nächstes dran

Die Lehrer sind frustriert

Rektorin Sabine Liebmann (links) führte die Ausschussmitglieder durch die Wriedeler Grundschule – hier soll voraussichtlich zum Schuljahr 2019/20 der Ganztagsbetrieb starten.
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Rektorin Sabine Liebmann (links) führte die Ausschussmitglieder durch die Wriedeler Grundschule – hier soll voraussichtlich zum Schuljahr 2019/20 der Ganztagsbetrieb starten.
  • VonInes Bräutigam
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Wriedel. Am Ende lagen zwar bei den meisten Teilnehmern der jüngsten Schulausschusssitzung für die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf die Nerven blank.

Doch einen Schritt weiter sind Politik, Verwaltung und Schulen auf dem Weg zur Umwandlung der verbleibenden vier Grundschulen zu Ganztagsschulen trotzdem gekommen: Mehrheitlich empfahl der Ausschuss, dass als nächstes die Schwalbenschule in Wriedel mit ihren derzeit 88 Schülern für den Ganztagsbetrieb fit gemacht wird. Einstimmig sprach man sich dafür aus, dass hierfür unter anderem ein Mensa-Neubau an der Schule entstehen soll. Kosten der Umwandlung: etwa 1,6 Millionen Euro.

Die Debatte über die Reihenfolge und das Wie des Umwandlungsprozesses der Grundschulen in Wriedel, Himbergen, Ebstorf und Bad Bevensen – in Altenmedingen läuft bereits der Ganztagsbetrieb – gerät allerdings zunehmend zum Nervenkrieg. Vor allem in Ebstorf und Himbergen ist der Frust groß, wie dortige Schulleiter und Lehrkräfte Klartext sprachen. Seit Jahren plane man an beiden Schulen den Ganztagsbetrieb, habe Konzepte erarbeitet, Lehrer ließen sich schon entsprechend fortbilden, hieß es. Doch am 14. Juni dieses Jahres hatte der Samtgemeindeausschuss (SGA) ein Kriterienpapier beschlossen, an dem sich die Schulen orientieren sollen. Letztlich, um die Kosten, die aufgrund der Konzepte mit insgesamt mit etwa 12 bis 13 Millionen Euro im Raum stehen, nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

Ebstorfs Schulleiter Thomas Gudella kritisierte, dass die Politik darüber nie Klartext mit den Schulen gesprochen habe. Seine Bevenser Kollegin Friederike Hein formulierte es so: „Der SGA-Beschluss setzt alles Erarbeitete außer Kraft. Die Kollegien fühlen sich nicht ernst genommen.“

Abgesehen davon, dass der vom SGA eng abgesteckte Rahmen die Konzepte der Schulen weitestgehend hinfällig gemacht habe, habe man immer vorgeschoben, es fehlte an pädagogischen Konzepten, führte Thomas Gudella fort. Dabei sei die einst geplante gleichzeitige Umwandlung aller Grundschulen „einseitig aufgekündigt worden“, monierte er. Stattdessen habe es geheißen: „Nehmt Euch ein Beispiel an Altenmedingen, denn es geht auch billiger.“ In Altenmedingen war, wie berichtet, durch eine Kooperation zwischen Schule und Kirche quasi im Alleingang eine schnelle und kostengünstige Ganztagslösung gefunden worden.

Bauamtsleiter Roland Klewwe und Katharina Schattat, bei der Samtgemeinde Projektverantwortliche für die Ganztagsschulen, betonten derweil, dass Samtgemeindebürgermeister Hans-Jürgen Kammer persönlich mit den Ebstorfern darüber gesprochen habe, wie ihr Konzept mit den Ansprüchen des SGA überein gebracht werden könnte. Gudella bekam jedoch Schützenhilfe von Himbergens Schulleiterin Astrid Gebert. Die Himberger hätten ein Konzept erarbeitet, das 900 000 Euro kosten würde – deutlich günstiger als die 1,6 Millionen Euro für die Wriedeler Schule. Doch in Himbergen passe eine von der Schule gewünschte Frischküche nicht zu den Kriterien des SGA-Beschlusses. Jetzt habe sie das Gefühl, „dass Himbergen einfach hinten runterfällt“. Eine Kommunikation zwischen Politik und Schule über mögliche Alternativen: Fehlanzeige.

Die Kontroverse im Schulausschuss habe gezeigt, dass man offenbar versäumt habe, frühzeitig miteinander zu sprechen, fasste es die Ausschussvorsitzende Elke Benecke (Grüne) zusammen. Und sie hoffte, dass alle Anwesenden aus diesem Abend ihre Lehren zögen.

Von Ines Bräutigam

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