Erstmals schwarze Zahlen nach Übernahme

Leberwurst für die Mongolei: Ebstorfs „Müllers Hausmacher Wurst“ gerettet

+
„Müllers Hausmacher Wurst“ ist raus aus den roten Zahlen: Die Produktion in dem Ebstorfer Traditionsunternehmen läuft inzwischen wieder mit deutlich besserer Auslastung.

Ebstorf. Vor gut einem Jahr war die Lage bei „Müllers Hausmacher Wurst“ in Ebstorf noch dramatisch: Unbezahlte Rechnungen und unstrukturierte Abläufe hatten das Familienunternehmen an der Uelzener Straße an den Rand der Pleite katapultiert.

Dann übernahmen der Fleisch-Unternehmer Ekkehard Heilemann aus Sachsen-Anhalt und der Bremer Verpackungsspezialist Volkmar Kaminski aus alter Verbundenheit zur Familie Müller den Betrieb. Heute kann Kaminskis Junior-Chef Pascal Kaminski vermelden: „Die Umsätze entwickeln sich positiv. “ Und Heilemann ergänzt: „Seit einem halben Jahr sind wir wieder auf Kurs und schreiben keine roten Zahlen mehr. “.

Die ersten Monate nach der Übernahme seien hart gewesen, räumen die beiden ein. Betriebliche Strukturen mussten umgestellt werden, auch Mitarbeiter wurden entlassen. Inzwischen sei die Produktion jedoch wieder soweit hergestellt – vor etwa einem Jahr wurde lediglich noch an etwa drei Tagen pro Woche produziert – , dass neue Fachkräfte benötigt würden, sagen sie. Vor allem Fleischer.

Auch in die Substanz der Firmengebäude wurde investiert: Dächer, Fahrstuhl und Aufenthaltsraum wurden erneuert. Und für dieses Jahr sind weitere Investitionen von rund 800 000 Euro vorgesehen, kündigt Pascal Kaminski an: Eine Anlage für energieeffizientere Sterilisation wird installiert.

„Das bedeutet, dass wir gut gewillt sind, den Standort in Ebstorf zu erhalten“, betont Ekkehard Heilemann. „Die Arbeitsplätze hier sind gesichert, und wir wollen den Betrieb wieder dorthin bringen, wo er mal war.“ Er räumt ein, dass es zwischenzeitlich auch schon Überlegungen gegeben habe, den Firmenstandort zu verlegen, irgendwohin auf die „grüne Wiese“. Für die Zukunft sei das auch immer noch nicht ganz auszuschließen. Aber: „Müller war immer in Ebstorf, hier ist der Betrieb authentisch“, betont Vertriebs- und Marketing-Leiter Carsten Büld.

Er ist es auch, der für „Müllers Hausmacher Wurst“ Kontakte zum Ex-Boxprofi Axel Schulz hat spielen lassen. „Mit Axel zusammen haben wir fünf Fertiggerichte entwickelt“, verrät Büld. Und noch eine außergewöhnliche Blüte treiben seine Marketingaktivitäten: „Der Export hat deutlich angezogen“, sagt der Prokurist. „Unsere Leberwurst zum Beispiel ist in der Mongolei sehr gefragt.“ Insgesamt, fasst Ekkehard Heilemann zusammen, seien in der Vergangenheit auch die Kontakte zu Kunden vernachlässigt worden. Um hier wieder auf Kurs zu kommen, habe man auch „den alten Müller“, wie die Geschäftsführer den früheren Inhaber nennen, mit einbezogen. Schließlich sei die Marke eng mit dem Namen verbunden.

Was das Chef-Trio besonders freut: Nach einer Zeit der Verunsicherung hat sich auch die Stimmung in der Belegschaft an der Uelzener Straße wieder verbessert. „Es ist eine Aufbruchsstimmung spürbar“, sagt Ekkehard Heilemann. Und die brauche man auch, weil das Geschäft im Lebensmittelsegment nicht einfach sei. Die Wertschätzung sei dabei ein ganz wichtiger Aspekt, betont Heilemann. „Wir sind selbst alles Familienunternehmer, wir sind mittelständisch, gut erzogen und bodenständig.“ Und mit dieser Mischung wollen er und seine Mitgesellschafter dafür sorgen, dass der Familienbetrieb Müller auch in der Zukunft eng mit dem Namen Ebstorf verbunden bleibt. Kurzum: „Wir leben Müller.“

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.