Mehr Kraft für die Knolle

Labor- und Gewächshausarbeiten: VSE Ebstorf ist Partner beim Kartoffel-Projekt „Adlatus“

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner überreichte eine Förderurkunde an die Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion. Dr. Justus Böhm nahm die Urkunde entgegen. Foto: privat
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Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner überreichte eine Förderurkunde an die Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion. Dr. Justus Böhm nahm die Urkunde entgegen.
  • Nicole Lütke
    vonNicole Lütke
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Ebstorf – Nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen leiden unter Virus-Erkrankungen – zum Beispiel die Kartoffel. Die Erreger heißen Kartoffel-Virus, Kartoffelblattroll-Virus oder Tabakrattle-Virus. Sie führen weltweit zu teils erheblichen Ernte-Einbußen.

Der fortschreitende Klimawandel, das Einschleppen von verschiedenen Schaderregern aus aller Welt und der Wegfall bestimmter Pflanzenschutzmittel sind zu einer Bedrohung für die Kartoffel geworden. Denn die Kombination dieser Faktoren führt zu einer verstärkten Ausbreitung von Schädlingen.

Resistente Kreuzungen gegen Schädlinge

Die Firma Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion hat im Europlant-Verbund ein Projekt auf die Beine gestellt, das die Kartoffel langfristig gegen Krankheiten und Viren wappnen soll. Hinter „Adlatus“, so der Name des Projekts, steht der Gedanke, verschiedene Kartoffelpflanzen so zu kreuzen, dass sie resistenter gegen die äußeren Schädlinge werden. „Durch die Kombination aus klassischen Züchtungen mit resistenten Sorten soll die Abwehr der Pflanze langfristig gestärkt werden“, erklärt Dr. Justus Böhm, Geschäftsführer der Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion.

Die Pflanze wird so gezüchtet und umprogrammiert, dass sie die typischen Stoffe, die die Schädlinge anziehen, nicht mehr abgibt und so vom Wirt nicht mehr als Kartoffelpflanze erkannt wird. Darüber hinaus werden verschiedene Parameter betrachtet, ohne die Viren nicht übertragen beziehungsweise sich nur begrenzt in einem Kartoffelbestand auf dem Feld ausbreiten können.

Im Konkreten geht es um den Kartoffelvirus Y den Kartoffelblattroll-Virus und den Tabakrattle-Virus. Diese drei Virenarten verursachen jedes Jahr erhebliche Verluste innerhalb der Bestände und das in der konventionellen wie ökologischen Landwirtschaft.

Als Überträger gelten beispielsweise Blattläuse und Zikaden. „Wir können feststellen, dass diese Überträger durch die warmen Winter und den Klimawandel zunehmen“, so Dr. Böhme.

Projekt für Anbau bedeutsam

Das Projekt zur Resistenzforschung ist für die konventionelle Landwirtschaft wie für die ökologische von großem Nutzen. „Es gibt die Vorgaben, immer weniger Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft einzusetzen“, sagt Dr. Böhm. Und auch die Bekämpfung mit mechanischen Mitteln, vornehmlich in der ökologischen Wirtschaftsweise eingesetzt, erweise sich oftmals als schwierig und aufwendig. Bei „Adlatus“ handelt es sich um ein „Leuchtturmprojekt“, das eine weltweite Strahlkraft entwickeln werde.

Zuwendung von einer Million Euro

Kürzlich erhielt das Projekt einen Zuwendungsbescheid in Höhe von rund einer Million Euro aus den Händen von Bundesministerin Julia Klöckner. „Wir sind überzeugt, mit dem Adlatus-Projekt wesentlich zur Entwicklung einer nachhaltigen und breit einsetzbaren Resistenz gegenüber wirtschaftlichen bedeutenden Schaderregern der Kartoffel beitragen zu können und damit eine nachhaltige Kartoffelproduktion zu unterstützen. Die fachlichen Kompetenzen und Infrastruktur der Partner sowie die exakt aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit werden Erfolg des Projektes gewährleisten“, so Dr. Böhme. Ein Erfolg, an dem auch die VSE Ebstorf ihren Anteil haben wird. Als Gesellschafterin der Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion werden dort Laborarbeiten und Feldversuche durchgeführt.

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