Junglandwirt Henning Steep spricht über Veränderungen im Kartoffelanbau

Die Kosten steigen – die Preise nicht

Kartoffelernte bei Junglandwirt Henning Steep aus Oetzendorf. Die große Ernte und die Corona-Krise drücken die Erzeugerpreise. 
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Kartoffelernte bei Junglandwirt Henning Steep aus Oetzendorf. Die große Ernte und die Corona-Krise drücken die Erzeugerpreise.

Oetzendorf – Sie heißen Belana, Linda, Cilena, Gala, Laura und sind sicherlich beim Bevenser Heidekartoffelfest rund ums Kurhaus vertreten.

Die Kartoffel will schonend geerntet werden.

Die meisten Sorten haben das weibliche A am Ende, denn die Kartoffel ist eine Sie und muss mit Vorsicht und Bedacht behandelt werden, sagt man. Auf den Böden im Landkreis Uelzen gedeiht sie gut. Einer der Bauern, die im Kreisgebiet die schmackhaften, regionalen Heidekartoffeln anbauen, ist Junglandwirt Henning Steep aus Oetzendorf freuen. Er beklagt, dass die große Ernte, aber auch die Corona-Krise auf die Preise drücken. „Die Kartoffel ist kein Weltmarkt-Produkt wie beispielsweise Weizen. Das drückt sich im Kreis aus“, erklärt Steep. „Aufgrund der zwei vergangenen Jahre mit guten Erzeugerpreisen wurde vielerorts der Kartoffelanbau ausgedehnt oder sogar neu begonnen. Das erhöht die Erntemengen zusätzlich.“

Blick ins Lager auf dem Hof Steep.

Auch die Corona-Krise habe ihren Einfluss, da durch den Wegfall von Großveranstaltungen besonders der Verzehr von Pommes frites eingebrochen ist. Da viel mehr Ware gewesen sei, als nachgefragt wurde, habe die vergangene Ernte nicht planmäßig die Lager verlassen können. So habe sie schon vorab aufs Preisniveau gedrückt, auch bei den Speisekartoffeln. Hinzu kamen erhöhte Produktionskosten für die Erzeuger. „In diesem Jahr hat die zunächst kühle, feuchte Witterung zu einem vermehrten Auftreten von Krautfäule geführt“, erklärt Steep. „Das wiederum erforderte sowohl bei Bio- als auch bei konventionellen Betrieben kostenintensive Pflanzenschutzmaßnahmen.“ Zudem sei 2020 ein Anwendungsverbot für ein gängiges Pflanzenschutzmittel zur Reifeförderung der Kartoffel in Kraft getreten. „Dieses Mittel war über sehr viel Jahre Standard im Kartoffelanbau.“ Die zugelassenen Alternativen unterschieden sich deutlich in der Wirkung und kosten mindestens das Fünffache.

Auch im Kartoffellager hat sich durch den Wegfall eines weiteren Mittels etwas geändert, welches die Keimung und Alterung der Kartoffel verzögert. Die chemischem Alternativen sind teurer. „Beim Verzicht auf diese Mittel muss massiv in eine mechanische Kühlung investiert werden, die schnell mal 100 000 Euro kostet.“

Auch für die Bewässerung fielen Kosten an. Obwohl es während der Vegetationszeit relativ kühl war und auch immer wieder regnete, habe das nicht ausgereicht, um auf künstliche Bewässerung zu verzichten.

Noch sieht man Kartoffelroder auf den Feldern. Immer mit einigen Personen darauf, da noch sehr viel Handarbeit beim Sortieren nötig ist. Grundsätzlich werden die Roder immer größer und leistungsfähiger. Vor allem gelingt es damit immer besser, Steine und Kluten – die Heide ist reich an Steinen – abzutreffen. Dadurch wird der Fahrer entlastet und die Leistung der Maschine gesteigert. Bei aller Effizienzsteigerung: Am wichtigsten bleibt bei der Kartoffel, dass die Ernte so schonend wie möglich erfolgt, stellt Landwirt Henning Steep klar: „Leistung und Masse allein nützt nichts.“ VON UTE BAUTSCH-LUDOLFS

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