Unsicherheit für Hausbesitzer im Oberen Brüggerfeld dauert an / Ebstorfer Politik wartet ab

Kontrolleure messen nach

So wohnt man im Oberen Brüggerfeld in Ebstorf: Das Hausdach ist in der Regel dunkel. Mit einer Hecke oder Büschen grenzt man sich zum Nachbarn ab. Und allzu häufig überschreiten Carports, Garten- und Gerätehäuser das zulässige Maß.

Ebstorf. Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam, aber unerbittlich. Durch einen Nachbarschaftsstreit fiel auf, dass viele Hausbesitzer im Oberen Brüggerfeld ihre Grundstücke dichter bebaut haben als zulässig (AZ berichtete).

Nun misst der Landkreis als Bauaufsichtsbehörde Hausnummer für Hausnummer nach. Insgesamt gibt es hier 170 Grundstücke.

Im schlimmsten Fall wird die Behörde die betroffenen Eigentümer dazu verdonnern, Gartenhäuschen, Carports und Pflasterflächen zu entfernen. Die Uhr tickt, denn der Verwaltungsausschuss des Klosterfleckens Ebstorf hat sich jetzt nicht dazu durchgerungen, die Abweichungen durch eine Änderung des Bebauungsplans nachträglich zu legalisieren.

Der Landkreis kontrolliert, inwieweit Hausbesitzer von Baugrenzen, den Vorgaben des Bebauungsplans und dem Baurecht abgewichen sind. „Die Erhebung ist noch nicht abgeschlossen“, teilt Kreis-Sprecher Martin Theine auf AZ-Nachfrage mit. „Im Durchschnitt werden pro Tag, je nach Bebauung, drei bis vier Flurstücke vollständig aufgemessen. Die Mitarbeiter des Landkreises Uelzen melden sich in der Regel vorher an, bevor sie ein Grundstück messen.“ Grundsätzlich seien sie jedoch nicht dazu verpflichtet. „Die Mitarbeiter verhalten sich stets diskret und betreten nicht die Häuser der Flurstücke“, betont Theine.

Im Kern geht es um die sogenannte Grundflächenzahl, die eine zu starke Versiegelung der Flächen verhindern soll. Laut Bebauungsplan durften die Bauherren, grob gerechnet, 30 Prozent ihrer Grundstücke bebauen. Dabei zählen nicht nur das Gebäude, Terrassen und Vordächer mit, sondern auch Carports, gepflasterte Stellplätze und Wege sowie Gartenhäuser. Und da haben die Besitzer ihre Grundstücke offenbar immer weiter zugebaut.

Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking (UWG) ist weiter bemüht, eine Lösung für die Bewohner des Oberen Brüggerfelds zu finden. Die könnte darin bestehen, dass der Klosterflecken den Bebauungsplan ändert. „Auf keinen Fall aber auf Kosten des Steuerzahlers. Da gilt das Verursacherprinzip“, stellt Senking klar.

Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf sieht das kritisch. Es sei rechtlich schwierig, die Kosten verbindlich auf die Betroffenen umzulegen. „Und ich sehe auch die anderen, die sich an Recht und Gesetz halten“, macht er deutlich. Im Zweifel würden sich auch andere Bauherren auf das Ebstorfer Beispiel berufen. Zunächst hat der Verwaltungsausschuss entschieden, abzuwarten, welche Ergebnisse die Prüfung durch den Landkreis ergibt.

Glück für alle Hausbesitzer in anderen Gebieten, die es vielleicht ebenfalls übertrieben haben: Der Landkreis kontrolliert die Einhaltung der Regeln nur anlassbezogen, also wenn es Hinweise aus der Bevölkerung gibt wie in Ebstorf, erklärt Sprecher Theine: „Die Überprüfungen im Oberen Brüggerfeld führen also nicht dazu, dass andere Siedlungen in Ebstorf oder in anderen Gemeinden entsprechend überprüft werden.“

Von Gerhard Sternitzke

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