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Böhm-Nordkartoffel in Ebstorf und Europlant fusionieren

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Gesellschafter Dr. Justus Böhm im Labor
Gesellschafter Dr. Justus Böhm im Labor. In der Züchtung in Ebstorf und Teendorf geht es unter anderem darum, Kartoffeln resistenter zu machen. © dpa

Sie tragen klingende Namen wie Glorietta oder Simonetta und duften zum Anbeißen, wenn sie in der dampfenden Schüssel auf dem Esstisch stehen. Kartoffeln aus der Lüneburger Heide gehen in alle Welt, und das gilt auch für die Pflanzkartoffeln, die Bauern anbauen. Gezüchtet und vermarktet werden sie in der Region Uelzen-Lüneburg. Die Unternehmen Europlant in Lüneburg und Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion (BNA) in Ebstorf und Teendorf haben jetzt ihre Fusion zum Geschäftsjahr 2023/2024 bekanntgegeben.

Lüneburg/Ebstorf/Teendorf – Böhm-Nordkartoffel züchtet und vermehrt neue Kartoffelsorten. Europlant, vor 30 Jahren gegründet, um die neuen Märkte in Osteuropa zu versorgen, vermarktet als eines der größten Unternehmen in Europa Saatkartoffeln in 70 Ländern weltweit, und das sehr erfolgreich. In den vergangenen 20 Jahren wurde der Umsatz – trotz des Rückgangs des Frischkartoffelverbrauchs in Deutschland – auf 500 000 Tonnen verdoppelt.

Mit der Fusion wollen sich die Unternehmen auf die Herausforderungen von Klimawandel, wachsender Weltbevölkerung und internationalem Handel vorbereiten. Europlant ist der eingeführte Markenname. Böhm, vor gut 120 Jahren im Odenwald gegründet, verschwindet damit aus dem Kartoffelgeschäft.

Schon vorher war die Zusammenarbeit eng. „Die Gesellschafterhäuser sind die gleichen. Es ändern sich nur die Zimmerschilder und Visitenkarten“, betont Dr. Justus Böhm, in fünfter Generation Kartoffelzüchter. Das Familienunternehmen Böhm hält die Hälfte der Anteile, die anderen 50 Prozent teilen sich die Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE), die Raiffeisen-Genossenschaft Zentralheide in Soltau sowie die Raisa Stade. Das neue Unternehmen hat mit seinen Töchtern im Ausland über 500 Mitarbeiter, unter anderem auch in Lagern in Oetzen und Suderburg. Stelleneinsparungen sind laut Böhm nicht geplant.

Böhm-Nordkartoffel hat 2017 einen Hof in Teendorf bei Ebstorf umgebaut, um hier noch intensiver neue Sorten zu züchten, die geschmackvoller, ertragreicher, krankheitsresistenter und lagerfähiger sind. Zehn Jahre dauert es, bis aus hunderttausenden von Sämlingen neue Kartoffelsorten mit klingenden Namen werden. So hat Europlant bereits Züchtungen vorgestellt, die weniger Kohlenhydrate enthalten oder die mit weniger Mineraldünger auskommen.

Ein ganz großes Thema ist für die Züchter auch die von der EU geforderte Reduktion von Spritzmitteln. Um eine möglichst hohe Resistenz gegen Krankheitserreger wie die Krautfäule zu erreichen, werden in Teendorf sogar Wildsorten aus Südamerika eingekreuzt. „Es gibt das Potenzial, bis 50 Prozent Pflanzenschutz einzusparen“, ist Böhm überzeugt. Allerdings passen sich auch die Erreger immer wieder an.

Die Heide bleibt auch weiter der Schwerpunkt des fusionierten Unternehmens, nicht nur, weil die Kartoffeln vom Heidesand die leckersten sind. Trotz des Klimawandels sorgen hier kühle Winter dafür, dass die Blattläuse absterben, die Viren von Pflanze zu Pflanze übertragen. Zudem ist hier die Kompetenz im Anbau der Knolle vorhanden.

Die Erfahrungen der Landwirte, die neue Sorten vermehren, sind Böhm sehr wichtig: „Die Kartoffel ist immer eine sensible Kultur. Die braucht Familienanschluss. Die braucht den Kontakt zum Praktiker.“

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