Barrieren sollen verschwinden

Klosterflecken Ebstorf will Beweglichkeit von Rollatornutzern verbessern

Für Rollatornutzer ist jeder Bordstein ein Hindernis. Der Einbau niveaugleicher Steine ist allerdings aufwendig, räumt Ebstorfs Gemeindedirektor Hans-Peter Hauschild ein.
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Für Rollatornutzer ist jeder Bordstein ein Hindernis. Der Einbau niveaugleicher Steine ist allerdings aufwendig, räumt Ebstorfs Gemeindedirektor Hans-Peter Hauschild ein.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Ebstorf – Gehen, das ist das Normalste der Welt. Wer auf einen Rollator angewiesen ist, weil etwa das Gleichgewicht gestört ist, muss das Gehen dagegen neu lernen. Nicht nur, dass der Umgang mit dem Hilfsmittel geübt sein will. Die Welt sieht mit einem Mal anders aus.

Wo vorher eine Straße war, die man schnell überquerte, ist plötzlich ein unüberwindbarer Bordstein. Und wo man vorher in ein Gebäude ging, ist jetzt eine Stufe oder eine Treppe. Der Klosterflecken Ebstorf will die Barrierefreiheit im Ort verbessern (AZ berichtete). Erste Projekte werden möglicherweise im nächsten Jahr umgesetzt.

„Wir wollen den Ort für alle Bevölkerungsgruppen und Gäste nutzbar machen“, sagt Gemeindedirektor Hans-Peter Hauschild. Zunächst hat sich der Flecken fachkundige Unterstützung gesucht. Mit zwei Mitgliedern des Bevenser Inklusionsbeirates, der bereits mehrere Projekte zur Barrierefreiheit in der Kurstadt angeschoben hat, fand eine Begehung zentraler Wege zwischen Bahnhofstraße und Klostervorplatz statt. Am Ende standen mehrere Anregungen für Verbesserungen.

Unter anderem geht es um die Ampel an der Kreuzung Bahnhofstraße/Hauptstraße/Allmelingstraße. „Die Ampel hat kein akustisches Signal, so dass Leute, die nicht so gut sehen können, nicht erkennen können, ob grün ist“, erklärt Hauschild. Hierzu sollen Gespräche mit der hierfür zuständigen Landesstraßenbaubehörde geführt werden.

Wesentliches Thema bei der Barrierefreiheit sind die Bordsteine. Die sind zwar an den Straßeneinmündungen häufig abgesenkt, bleiben aber vor allem für Rollator-Nutzer und Rollstuhlfahrer weiterhin ein Hindernis. Hier schlägt der Inklusionsbeirat vor, wie in Bad Bevensen eine Hälfte niveaugleich zu gestalten und auf der anderen Seite eine kleine Kante zu lassen, damit sich Sehbehinderte orientieren können.

„Das ist natürlich ein relativ hoher Aufwand“, räumt der Gemeindedirektor ein. Deshalb schlägt er vor, zunächst einige wichtige Stellen umzugestalten und die Barrierefreiheit ansonsten immer dort zu berücksichtigen, wo ohnehin Baumaßnahmen anstehen. 25 000 Euro zur Verbesserung der Barrierefreiheit hat der Fleckenrat im Haushalt 2020 eingestellt.

Begrüßt hat der Inklusionsbeirat, dass der Klosterflecken den Fahrstuhl im Mehrgenerationenhaus für 90 000 Euro erneuern lässt, denn viele ältere und eingeschränkte Personen konnten die Angebote wegen der Treppe nicht nutzen. Die Hydraulik ist bereits erneuert, informiert Gemeindeingenieur Thorsten Brinck. Derzeit wird die Innenkabine wiederhergestellt. Bis zum Jahresende soll die Sanierung abgeschlossen werden.

Von der Förderung der Barrierefreiheit in Geschäften ist der Klosterflecken zunächst abgerückt. Für eine Unterstützung von Privatunternehmen müsste eine Satzung erlassen werden, betont Hauschild. Und es gibt auch staatliche Förderung für Betriebe, die eingeschränkten Personen den Zugang erleichern.

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