Von Woche zu Woche – Kommentar von AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke zur Bedeutung des Klosters für Ebstorf

Kloster Ebstorf darf nicht sterben

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Die Klosterkirche in Ebstorf.

Seit Langem herrscht Zwietracht im Kloster Ebstorf, aber die dicken Mauern des mittelalterlichen Komplexes haben die Misstöne über Jahre geschluckt, obwohl Tausende bei den Führungen Klosterluft geschnuppert haben.

Jetzt war es ausgerechnet die Äbtissin selbst, die mit ihrer Klage über den entleerten Konvent und die angebliche Blockadehaltung der Klosterkammer anderen den Anlass gab, über die Vorgänge im Kloster zu sprechen.

Machtwille, Mobbing und Misstrauen – die Berichte aus dem evangelischen Damenstift kann die AZ im einzelnen nur schwer überprüfen. Sie maßt sich auch nicht die Entscheidung an, wer in diesem Klosterkrimi die Schuld trägt. Tatsache ist, dass eine Reihe von Konventualinnen Ebstorf verlassen hat. Die Klosterkammer ist jedenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen Neuanfang nur gibt, wenn die Äbtissin zurücktritt. Auch die frühere Ministerin für Wissenschaft und Kultur war mit dem Zerwürfnis im Ebstorfer Kloster bereits befasst.

Braucht man überhaupt noch Konventualinnen in Ebstorf? Es gibt ja auch die Führerinnen von außerhalb, die interessierte Besucher durch das Kloster führen. Das Kloster Ebstorf ist ebenso wie die anderen Heideklöster, darunter Medingen, kein Museum. Sondern die historischen Gebäude und die Kunstschätze sind eingebettet oder sollten eingebettet sein in die lebendige Praxis einer christlichen Gemeinschaft. Ohne Konventualinnen verliert Ebstorf vielleicht nicht die Touristenattraktion, aber eine Institution, die eine vielhundertjährige Geschichte bewahrt und fortführt.

Dass die Klöster in evangelischen Landen gebraucht werden, zeigt das Interesse von Frauen, die sich bewerben, weil sie die Atmosphäre, die christliche Gemeinschaft und die Kunstschätze lieben. Wie andere evangelische Damenklöster vorführen, können die Klöster die Gesellschaft auch durch ein spirituell-kulturelles Angebot bereichern.

VON GERHARD STERNITZKE

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