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Klosterflecken kann keine auswärtigen Kinder mehr aufnehmen

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Kinder mit Erzieherinnen.
Allein im vergangenen Jahr hat der Klosterflecken Ebstorf 80 neue Betreuungsplätze in Krippen- und Kindergartengruppen geschaffen. In absehbarer Zeit reichen auch diese nicht mehr aus. © Sternitzke, Gerhard

Nach der Stadt Bad Bevensen erreicht der Kita-Notstand auch Ebstorf. Bereits jetzt sind alle 75 Krippen- und 171-Kindergartenplätze belegt. Dabei ist die Zahl der sogenannten Kann-Kinder, die nach einer Regelung der Landesregierung entweder auf die Grundschule wechseln oder ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben, noch gar nicht bekannt, betont Bürgermeister Heiko Senking (UWG). Zum Jahreswechsel rechnet das DRK damit, dass zehn Plätze fehlen.

Ebstorf – Der nicht öffentliche Verwaltungsausschuss hat am Dienstag deshalb die Reißleine gezogen. Zukünftig nimmt der Klosterflecken keine auswärtigen Kinder mehr auf.

„Wir haben außerordentlich viel Bautätigkeit“, erklärte Senking anschließend im Rat. Die jungen Familien, die in die Ebstorfer Baugebiete oder frei werdende Altbauten ziehen, bringen Kinder mit, die einen Betreuungsplatz brauchen, obwohl der Klosterflecken erst gerade zusätzliche Plätze in vier Kindergarten- und Krippengruppen in zwei neuen Kitas an der Hauptstraße und im historischen Oberförsterdienstgehöft geschaffen hat.

Bislang galt die Regel, dass der Klosterflecken bis zu zehn Prozent Kinder aus den umliegenden Gemeinden aufnimmt. Nun müsse man umdenken, so Senking. „Wir müssen jetzt erst mal an unsere eigenen Kinder denken. Es ist eine Abkehr von unserer Einstellung, die liberaler war“, betont der Bürgermeister. Derzeit sind zwei auswärtige Kinder in den Ebstorfer Krippen und zwölf Kinder in den Kindergärten untergebracht.

Alle Ebstorfer Kinder erhalten einen Platz

„Uns ist wichtig: Wir nehmen alle Ebstorfer Kinder an“, stellt CDU-Ratsherr Ulf Schmidt klar. „Wir haben im letzten Jahr 80 Kindergarten- und Krippenplätze geschaffen. Wir haben keine Möglichkeit, weiter zu wachsen.“ Das könne sich der Klosterflecken nicht leisten. Nun müssten die Nachbargemeinden, die Bauland einweisen, selbst die entsprechenden Betreuungsmöglichkeiten schaffen.

„Ebstorfer Kinder haben Vorrang“, befindet auch SPD-Fraktionsvorsitzender Tekin Aras. „Was bleibt uns übrig? Wir müssen weiter daran arbeiten.“

„Generell sind wir dafür, dass wir für andere Gemeinden offenstehen“, betont UWG/FBE-Fraktionschefin Anna Giza-Braun. „Jetzt sind wir verpflichtet, allen einen Platz anzubieten, die bei uns wohnen.“ Mit den Nachbargemeinden solle das Gespräch gesucht werden.

UWG-Ratsfrau Petra Schlechter weist darauf hin, dass jetzige Ganztags-Krippenkinder auch entsprechende Ganztagsplätze im Kindergarten brauchen. Zudem steige die Zahl der Kinder mit Betreuungsbedarf – mit der Folge, dass in den betroffenen Gruppen weniger Plätze belegt werden dürfen.

Ausbaureserve mit Einschränkungen

In der Kita in der alten Oberförsterei gibt es noch eine Ausbaureserve für maximal zwei Gruppen. Allerdings dürfen Krippengruppen nach einer neuen Regelung laut Senking nicht mehr im Obergeschoss untergebracht werden, und der Einbau neuer Toiletten wäre nötig. „Wir haben noch sieben Monate Zeit, um was vorzubereiten“, sagt Senking. Die Gemeinde sei aber finanziell an den Grenzen. Hinzu komme der Fachkräftemangel bei den Erzieherinnen.

Die Entscheidung sei auch als Weckruf an die niedersächsische Landesregierung zu verstehen, so Senking. Er wolle die Landtagskandidaten nach Ebstorf einladen. Sie sollten erklären, wie die Finanzierung der Kitaplätze auskömmlich vom Land erstattet werden könne.

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