„Auch ich bräuchte dringend Hilfe“

Das Katzen-Drama von Ebstorf: Eigentümerin des Hauses steht vor finanziellem Ruin

In der Auffahrt haben die Bewohner ein abgemeldetes Auto, verdreckte Möbel und Müll hinterlassen. Alles riecht nach Katzenurin.
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In der Auffahrt haben die Bewohner ein abgemeldetes Auto, verdreckte Möbel und Müll hinterlassen. Alles riecht nach Katzenurin.
  • VonInes Bräutigam
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Ebstorf. Im Sommer war Susanne B. einmal in ihrem Haus. „Ich habe fast einen Nervenzusammenbruch bekommen“, sagt sie. Der Boden, die Wände, die Möbel – alles ist übersät mit Kot und Urin von Katzen. Die Tiere selbst bevölkern das Haus in Scharen.

Vor neun Jahren hat Susanne B. ihr Eigentum Menschen zur Miete anvertraut. Und die haben ihr jetzt einen Alptraum hinterlassen: In ihrem Haus spielte sich das Katzendrama von Ebstorf ab, bei dem – wie berichtet – neun Vierbeiner vom Tierschutzverein aus den unhaltbaren Zuständen gerettet wurden.

„Als der Mann krank wurde, informierte mich die Frau, dass sie die Miete nicht mehr zahlen könnten“, erzählt Susanne B.. Sie heißt eigentlich anders. Doch ihren richtigen Namen möchte sie lieber nicht in der Zeitung lesen. Nicht, weil sie nicht zu dem stehen würde, was sie sagt. Ganz im Gegenteil. Sie fürchtet nur, dass es ihr zum Nachteil geraten könnte, wenn Miet- oder Kauf-Interessenten erfahren sollten, dass es sich um dieses Haus handelt.

Die 54-Jährige ist Witwe, Frührentnerin und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. „Da ich von meiner Frührente und einer kleinen Witwenrente lebe, habe ich nicht die finanziellen Mittel, das Haus zu renovieren“, sagt sie. Sie und ihre Kinder mögen nicht mehr in dem Haus leben, in dem der Vater starb. Susanne B. wohnt jetzt zur Miete. „Eigentlich war das Haus unsere Absicherung gewesen“, erklärt sie.

Die Bewohner sind längst ausgezogen, doch in der Küche stehen noch geöffnete Dosen mit Katzenfutter, in einer steckt noch der Löffel.

Der Mietvertrag endete am 30. September. Die Mieter sind bereits ausgezogen. Doch die Schlüssel hat Susanne B. noch nicht zurückbekommen. Sie darf auch nicht ihr Haus betreten. Der Blick durch die gekippten Fenster reicht ihr für den Moment auch: Hinter den verschmutzten Scheiben offenbart sich, dass dort Menschen an irgendeinem Punkt die Kontrolle über ihr Leben verloren haben müssen. Zerrissene Tapeten, von Katzenkot verdreckte Fußböden und Möbel, jede Menge Unrat – Susanne B. ist schleierhaft, wie Menschen und Tiere in diesen Zuständen überhaupt hausen können.

„In den letzten Jahren haben ich und Nachbarn mehrfach beim Veterinäramt angerufen und von dem Fall berichtet“, sagt sie im AZ-Gespräch. Ein Nachbar bestätigt das. Denn die Situation ist längst ein Problem für alle Anwohner der beschaulichen Wohnstraße mitten in Ebstorf geworden.

Der Landkreis empfahl „Verbesserung der Katzenhaltung“

„Die Katzen liefen hier ja überall herum“, schildert der Mann der AZ, „die haben die gelben Säcke aufgerissen. Der ganze Müll lag dann auf der Straße.“ Und Ratten habe es gegeben, wegen des Drecks auf dem Grundstück.

Auf AZ-Anfrage bestätigt Landkreis-Sprecher Martin Theine, dass der Fall bekannt gewesen sei. „Den ersten Hinweis auf mögliche Tierschutzverstöße hat das Veterinäramt des Landkreises Uelzen am 12. Dezember 2014 erhalten“, teilt er mit. Am 17. und 30. Dezember sei man vor Ort gewesen, habe aber niemanden angetroffen. Am 9. Januar 2015 habe die Tierhalterin dann geöffnet. Weil damals nur „geringfügige Mängel in der Tierhaltung festgestellt werden konnten“, empfiehlt man der Frau eine „Verbesserung der Katzenhaltung“.

In den nächsten Jahren sei die Tierhaltung nicht erneut angezeigt worden, so Theine. Bis zum 25. Juni dieses Jahres. Von Juli bis September sind daraufhin erneut Mitarbeiter des Veterinäramts insgesamt vier Mal vor Ort. Die Mieterin ist nie anzutreffen. Am 1. Oktober ruft die Frau dann auf schriftliche Bitte des Landkreises zurück, am 2. Oktober stellten die Veterinäre bei ihr „hochgradige Mängel in der Katzenhaltung“ fest. Es wird angeordnet, sie solle sich bis zum 4. Oktober um die Unterbringung der Tiere kümmern. Wie berichtet, geschieht dies auch: Die Frau informiert den Tierschutzverein.

„Bei den Kontrollen im Jahr 2015 wurden nur geringgradige Mängel in der Tierhaltung ermittelt“, erläutert Theine. Eine Fortnahme der Tiere sei damals „der Situation nicht angemessen“ gewesen. Erst nach dem erneuten Hinweis aus diesem Jahr war dies der Fall, „da sich die Situation im Vergleich zu den vorangegangenen Vor-Ort-Kontrollen in Bezug auf die Katzenhaltung massiv verschlechtert hatte“.

Auf dem Grundstück liegt ein aufgekratzter Sessel, aus dem beißender Uringestank strömt.

In der Straße ist man froh, dass die unliebsamen Nachbarn nun weggezogen sind. Doch für Susanne B. gehen die Probleme weiter. „Den Tieren wurde jetzt geholfen“, sagt sie, „aber auch ich bräuchte dringend Hilfe.“ Ihre Mieter hätten „fremdes Eigentum zunichte gemacht“. Wegen der fehlenden Mieteinnahmen habe sie obendrein kaum Geld zum Überleben.

Bis Monatsende wollen ihre Ex-Mieter Haus und Grundstück hergerichtet und den Schlüssel übergeben haben. Susanne B. sagt: „Ich kann jetzt nur abwarten.“ Und der Landkreis Uelzen? Er prüft ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen der tierschutzrechtlichen Mängel. Und hat den Fall an das zuständige Veterinäramt am neuen Wohnort der Tierhalterin abgegeben.

Von Ines Bräutigam

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