Nur noch eine Konventualin in Ebstorf / Kammer fordert Rücktritt der Äbtissin

Ein Kampf ums Kloster Ebstorf

Äbtissin Erika Krüger im historischen Schlafhaus des Klosters Ebstorf. Hier lebt nur noch eine Konventualin. Die Äbtissin beklagt, dass die Klosterkammer die Aufnahme neuer Damen boykottiert.
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Äbtissin Erika Krüger im historischen Schlafhaus des Klosters Ebstorf. Hier lebt nur noch eine Konventualin. Die Äbtissin beklagt, dass die Klosterkammer die Aufnahme neuer Damen boykottiert. 

Bad Bevensen – Alte Dielen, jahrhundertealte Truhen im Dämmerlicht, in der weiß getünchten Wand eine Reihe grau gestrichener Türen: das historische Schlafhaus des Klosters Ebstorf.

Das mittelalterliche Gemäuer ist reich an historischen Zeugen des Glaubens. Was die Teilnehmer der Führungen nicht sehen: Im Kloster brodelt es. Nur noch eine Konventualin lebt hier. Und die Klosterkammer in Hannover fordert den Rücktritt der Äbtissin.

Das Leben hinter dicken Klostermauern – es scheint die Frauen nicht abzuschrecken. Äbtissin Erika Krüger erhält nach eigener Auskunft jede Woche Anfragen. „Ich habe 21 Frauen vor der Tür stehen, die gerne kommen würden“, berichtet die 72-Jährige. „Nicht die mitgerechnet, die abgesprungen sind, weil ihnen die Entscheidung über die Aufnahme zu lange dauerte.“

Bärbel Schirmer hat sich für das Leben im Kloster entschieden. Als Bewerberin lebt sie in einer Gästewohnung.

Bärbel Schirmer hat sich entschieden. Bei der Besichtigung eines Klosters hat es bei ihr Klick gemacht, wie es die 62-jährige Mecklenburgerin ausdrückt. „Da ich alles, was ich wollte, hinter mir habe, war ich ausgelaugt“, erzählt die ehemalige Reiseleiterin, die bereits zu DDR-Zeiten im Kirchenvorstand aktiv war. „Hier fühlte ich mich vom ersten Tag an wohl. Als wenn ich hier schon immer gelebt hätte.“

Bewerberinnen können im Kloster probewohnen. Drei Damen nutzen nach Angaben der Äbtissin diese Möglichkeit. Eine von ihnen ist Bärbel Schirmer. Kochnische, Wohnzimmer mit Sofa und Schlafzimmer, so sieht das Gästezimmer aus.

Morgens um 9 Uhr treffen sich die Damen zur Andacht. „Man kann sich in seine Wohnung zurückziehen, aber auch gucken: Was kann ich tun?“, erklärt Bärbel Schirmer. Mit Führungen kennt sie sich aus, und sie liebt die Kunstschätze des Klosters. „Ich spreche mit dem, der am Kreuz ist, schimpfe mit ihm, sage ihm Danke.“

Etwa zehn Damen hat Erika Krüger seit ihrer Amtseinführung 2001 aufgenommen. „Wir haben eine ganze Menge Todesfälle gehabt. Zum Teil sind Frauen der Liebe wegen ausgezogen. Eine hat sich neu orientiert“, erklärt sie die Schrumpfung des Konvents.

Vor der Einsetzung als Konventualin steht die Probezeit von einem Jahr. Bärbel Schirmer hat sie bereits hinter sich. Ihre Unterlagen liegen jetzt bei der Klosterkammer in Hannover zur Prüfung. Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, polizeiliches Führungszeugnis, Bescheinigung über die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche.

Hinter den jahrhundertealten Mauern in Ebstorf spielt sich ein Klosterkrimi ab.

Vor Wochen hat sie den Antrag weitergeleitet, berichtet Äbtissin Krüger, doch die Behörde verschleppe die Sache. Manche Anträge habe sie gar ungeprüft zurückerhalten. Dabei stehe der Klosterkammer gar keine Einflussnahme zu. „Die Entscheidung, wer aufgenommen wird, liegt bei der Äbtissin“, beharrt Erika Krüger. Wegen der Verweigerungshaltung der Kammer sei es auch schwer, alle Führungen von April bis Oktober zu besetzen.

Es geht um Paragraphen in dem Kloster-Krimi, genauer um die vom Land erlassene Klosterordnung. „Das Kloster ist eine selbstständige Körperschaft öffentlichen Rechts, und die Verantwortung liegt allein bei der Äbtissin“, erklärt Dr. Stephan Lüttich, Leiter der Abteilung Klöster und Stifte der Klosterkammer. Diese habe nur die Rechtsaufsicht, also eher geringe Einflussmöglichkeiten. Die aber nutzt sie.

„Ein Neuanfang ist nur mit einer neuen Äbtissin möglich.“

Lüttich hat nämlich eine andere Version von der Misere im Kloster. „Gerade in Ebstorf sind zahlreiche Frauen aufgenommen worden und wieder gegangen. Es gibt erhebliche Spannungen zwischen dem Konvent und der Äbtissin“, weiß er zu berichten. „Wenn ein gedeihliches Zusammenleben des Konventes aber nicht gegeben ist, dann ist es nicht sinnvoll, neue Kandidatinnen aufzunehmen.“

Auch an der Geschäftsführung der Äbtissin, insbesondere der Buchhaltung, gibt es Kritik. Sie wehrt sich gegen die Auflagen in mehreren Verfahren vor dem Verwaltungsgericht.

In allen anderen Klöstern gebe es eine Altersgrenze von 70 Jahren für die Äbtissinnen, betont Lüttich. „Ein Neuanfang ist nur mit einer neuen Äbtissin möglich.“ Absetzen kann er sie nicht. „Allein Frau Krüger entscheidet, wann sie aus dem Amt scheidet“, betont der Vertreter der Klosterkammer. Es klingt eher nach einer Drohung.

VON GERHARD STERNITZKE

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