Aktion soll junge Leute in die Ortsmitte locken / Erste Info-Veranstaltungen im Frühjahr

Jung kauft Alt in Ebstorf

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In einigen Bereichen des Klosterfleckens Ebstorf mache sich der demografische Wandel bemerkbar. Damit drohen Leerstände in der Ortsmitte. Ein Aktionsbündnis will vorbeugen.

Ebstorf. Der demografische Wandel schwebt seit Jahren wie ein Schreckgespenst in Köpfen von Stadtplanern herum. So auch in Ebstorf. Heiko Senking ist Ratsherr des Klosterfleckens, er wohnt an der Königsberger Straße.

Und auch dort, meint er, mache sich der demografische Wandel bemerkbar: Die Menschen werden älter, private Autos tauschen über die Jahre den Platz mit den kleinen Autos von Pflegediensten, die morgens und abends vorbeikommen. Und in der Ortsmitte stehen immer mehr ältere Häuser leer.

Das soll sich möglichst ändern: Mit einer konzertierten Aktion, so heißt es aus Ebstorf, soll versucht werden, den Ortskern lebendig zu erhalten. Wenn Wohnungen und Häuser leer stehen, weil die Besitzer ins Altersheim gezogen oder gestorben sind, sollen junge Leute nachziehen. Die konzertierte Aktion, die dafür sorgen soll, nennt sich „Jung kauft Alt“ – soll heißen, junge Menschen sollen animiert werden, die alten Gebäude zu kaufen. Und Gemeinde, Banken, Sparkassen und örtliche Immobilienmakler sollen dabei helfen.

Die Idee dazu stammt von Senking, dem Ratsherren aus der Königsberger Straße, wo die Häuser in den späten 50er und frühen 60er-Jahren gebaut wurden. Nachdem sich alle Beteiligten beraten haben, sollen sie jetzt Ideen sammeln, wie man die Jugend lockt. Immobilienmakler können ihre Objekte im Klosterflecken vorstellen, die Gemeinde kann vortragen, welche Vorteile es dafür gibt. Senking zählt auf: Bessere Erreichbarkeit der Angebote vor Ort wie Schulen, Betreuungseinrichtungen, Lebensmittelgeschäfte, das Mehrgenerationenhaus. „Wir wollen jungen Leuten die Angst nehmen, im Ort zu kaufen“, meint er in Bezug auf mögliche Sorgen über Bausubstanz, Dämmung und Schnitt von Häusern. Generell meint er: „Man kann doch eher im Ort für 80 000 Euro kaufen und pendeln, als beispielsweise in Lüneburg für 300 000 Euro bauen“. Die gute Verkehrsanbindung an den Norden helfe dabei.

Hilfe bei dem Umbau von alten Häusern könne es dabei von der Gemeinde geben. Die will bis Frühjahr 2013 ausarbeiten, wie sie Käufer beim Beantragen von Fördermitteln oder bei der Bauleitplanung unterstützt.

In einem Treffen von Ratsmitgliedern, Verwaltung und weiteren Experten zur Wohnsituation und zum Wohnangebot des Klosterfleckens war man sich einig, dass es einen Bedarf für eine konzertierte Aktion gegen Leerstände im innerörtlichen Bereich gebe.

Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf macht klar, dass man durchaus kein Problem habe, neuen Wohnraum an den Mann zu bringen, aber gerade bei älteren Wohnungen tue man sich schwer mit der Vermittlung. Ältere Menschen hätten selten den Anreiz und die Mittel, sich noch finanziell so zu engagieren, dass ihr Haus den modernen Standards entspricht. Außerdem hätten manche von ihnen wenig Routine mit den Möglichkeiten, ihr Haus mit Hilfe neuer Medien an Käufer zu vermitteln. Auch darin sieht Oelstorf einen Punkt, wo die Aktion „Jung kauft Alt“ helfen kann.

Von Kai Hasse

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