Verein erinnert an Gerd Giese

100 Jahre SV Natendorf: Der Weltmeister der Gastwirte

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Kultwirt Gerd Giese an seinem Arbeitsort im Lindenkrug. Der SV Natendorf erinnert jetzt aus Anlass des 100-jährigen Vereinsjubiläums mit einem Abendschoppen an seinen Wirt.

Natendorf – Nach dem Spiel erst mal ins Gasthaus, einen trinken und das Ergebnis diskutieren – so war das früher auch beim SV Natendorf. Längst ist der Lindenkrug Geschichte, und die Fußballer treffen sich im Vereinsheim.

Aber an „ihren“ Wirt erinnern sie sich immer noch gerne. Bei einem Abendschoppen am Sonnabend, 24. August, lassen sie Kult-Wirt Gerd Giese und seine Zeit wieder lebendig werden.

„Das Gasthaus war der Dreh- und Angelpunkt des Vereins“, erzählt Vorsitzender Matthias Plank. „Hier wurden die Jahreshauptversammlungen und Vorstandssitzungen abgehalten, Vereinsfeste und sportliche Erfolge gefeiert, der eine oder andere Spieler am Tresen verpflichtet, Hochzeiten und Geburtstage gefeiert.“

Ja, wahrscheinlich hätte der SV Natendorf im vergangenen Vierteljahrhundert eine andere Entwicklung genommen – ohne Giese, der sich selbst mit einem Augenzwinkern als „Weltmeister der Gastwirte“ bezeichnete. Plank reinigte damals die Schankanlage, und Giese, nicht nur Weltmeister, sondern auch Schriftwart des SV, nutzte die Gelegenheit, den jungen Mann für den Verein zu gewinnen. 1991 war das.

Giese, der in seiner Jugend einmal Boxer war, hatte zunächst Gasthäuser in Emmendorf und Tätendorf-Eppensen betrieben, bevor er Anfang der siebziger Jahre nach Natendorf kam und aus dem Gasthaus Zur Linde den Lindenkrug machte.

„Die Kneipe war immer voll“, erinnert sich Plank. Giese sei ein Original gewesen, habe beim Schnaps Anekdoten aus der Vergangenheit zum Besten gegeben. Der Humor verließ ihn nie. Beim SV engagierte er sich nicht nur als Schriftwart, sondern kutschierte auch Jugendspieler zu Auswärtsspielen. Während der Spiele organisierte er aus dem Auto heraus den Getränkeausschank.

Bei dem Abendschoppen soll die Zeit von den siebziger Jahren bis zur Schließung 1996 lebendig werden. Selbst einen Dart-Automaten bringt Vorsitzender Plank mit. Neben den Getränken der achtziger und neunziger Jahre darf auch die Currywurst aus der Dose nach der legendären Giese-Art nicht fehlen.

„Wahrscheinlich würden die behördlichen Prüfer des Kneipenwesens unter heutigen Gesichtspunkten bei einem Blick in seine damalige Küche die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, seine Currywurst, wahlweise mit Pommes, Kartoffelsalat oder Toastbrot, war für die meisten Gäste jedoch eine unvergessliche Delikatesse“, heißt es in der Chronik.

Von einem Verein wurde die Schankstube als Gasthaus ohne Linde renoviert. Der Abend zu Ehren von Gerd Giese beginnt um 17 Uhr. Um 15 Uhr ist der Anpfiff für ein Fußballspiel der Ü 50 der SG Natendorf/Ebstorf/Barum.

VON GERHARD STERNITZKE

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