Ein Zaun, der beißt

Herdenschutz in der Praxis: NABU installiert bei Wietzendorf „wolfsabweisenden Grundschutz“

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Unter Spannung: Die ehrenamtlichen Helfer Gert Weinmann und Stephanie Borchers ziehen die Litzen an den Isolatoren stramm.

Wietzendorf/Ebstorf. Loch für Loch bohrt Joanna Tegtmeier ins Holz und schraubt die Isolatoren für die Stromlitzen hinein. 90 Pfähle bearbeitet die 23-jährige Studentin auf diese Weise.

Sie ist einer von sieben Helfern, die gestern die Weide von Sabine Oberdieck in Reiningen bei Wietzendorf (Heidekreis) wolfssicher machen wollen. „Mitten im Wolfsgebiet“, weiß Peter Schütte, denn Reiningen liegt direkt neben dem Truppenübungsplatz Munster, in dem ein Wolfsrudel lebt. Mit ihm haben wohl auch die Ebstorfer und Wriedeler schon Bekanntschaft geschlossen – hier hatte es in der Vergangenheit mehrere Wolfsrisse gegeben, vornehmlich auf Schafweiden.

Schütte leitet das NABU-Projekt „Herdenschutz Niedersachsen“, das bei Sabine Oberdieck einen sogenannten „wolfsabweisenden Grundschutz“ installiert. Es ist einer der ersten Zäune der noch jungen NABU-Initiative.

Ob der Zaun – bestehend aus vier übereinander gespannten Stromlitzen – tatsächlich Wolfsrisse verhindert? Peter Schütte will es lieber so formulieren. „Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, was die Tierhalter wollen: dass der Wolf draußen bleibt.“ Die unterste Stromlitze, 20 Zentimeter über dem Boden gespannt, soll ein Untergraben durch den Wolf verhindern. Insgesamt, so bringt es NABU-Helfer Olaf Buschmann auf den Punkt, empfänden Wölfe den Kontakt mit den Strom führenden Bändern so: „Der Zaun beißt“.

Rund 1000 Euro investiert Sabine Oberdieck in den 800 Meter langen wolfsabweisenden Grundschutz – in diesem Fall eine zusätzliche Stromlitze und die notwendige Stromversorgung. Die NABU-Mitarbeiter helfen ehrenamtlich. „Ich bin dafür sehr dankbar“, sagt die Trakehner-Züchterin, die das Vorhaben allein kaum hätte stemmen können. Über die Rückkehr des Wolfs freue sie sich nicht so besonders, räumt sie ein, „aber wir müssen mit den Wölfen leben, und ich glaube, man kann sich schützen“. Bislang habe noch kein Wolf ihre Tiere heimgesucht. Und das soll auch so bleiben.

Auch wenn das Projekt noch im Aufbau sei und bislang etwa zehn Aktive zähle – Anfragen sind stets willkommen, sagt Peter Schütte. Weitere Helfer natürlich auch. Und Eines ist dem Projektleiter noch wichtig: „Wir fördern nicht mit Geld, sondern mit unserer Arbeitskraft.“ Wer Kontakt zum Herdenschutz-Team aufnehmen möchte – Peter Schütte ist erreichbar unter (0 50 56) 97 01 50 oder per Mail: ps@herdenschutz-niedersachsen.de.

Von Ines Bräutigam

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