Initiative hat Misthaufen im Blick

In sechs Wochen hat „HTK Watch“ sieben Haufen Hühnertrockenkot kartografiert. Grafik: HTK Watch

Wriedel/Schatensen. „Es muss endlich einmal abgewogen werden, ob das Lagern und Ausbringen des Hühnertrockenkots in Ordnung ist oder eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen darstellt“, sagt Jorge Wittersheim und fordert in einem Schreiben ans Kreisveterinäramt:

„Der Schutz des Menschen vor gesundheitsgefährdenden Keimbelastungen muss optimiert werden. Die Einflusssphäre des Gesundheitsamtes muss über den Interessen einer Agrarlobby stehen.“

Anlass für diese klaren Worte sind Beobachtungen, die Wittersheim bereits seit Jahren vereinzelt und seit diesem Jahr verstärkt gemacht hat. Im Namen der Initiative „HTK Watch“ (HTK = Hühnertrockenkot aus Intensivtierhaltung), die aus der Wriedeler Bürgerinitiative (BI) gegen Hähnchenmastanlagen hervorgegangen ist, reichte er gestern beim Kreisveterinäramt eine Dokumentation seiner Beobachtungen ein und mahnte zum Umdenken an – bei der Lagerung von Hühnertrockenkot und bei der Meldepflicht von Antibiotika, die den Tieren zugeführt werden.

„Wir haben Hinweise bekommen, dass mit Leichenteilen versetzter Hühnertrockenkot auf Feldern gelagert und dort zum Teil ausgebracht aber nicht immer zeitnah untergeflügt wird“, erklärt Wittersheim den Anlass der „HTK Watch“-Gründung. „Nachdem ich glaubwürdige Aussagen über Leichenteile im HTK bekommen habe, habe ich mich mit den Behörden zu diesem Thema verbunden“, erklärt Wittersheim. Das Kreisveterinäramt ist im Rahmen des Tierkörperbeseitigungsgesetzes und der Seuchenprofylaxe zuständig. Lagerung und Ausbringung von HTK als Düngemittel beschäftigt die Landwirtschaftskammer.

Ein Beispiel: Im Juni sei mit Tierkadavern versetzter HTK in die Feldfrucht eines Getreidefeldes gekippt worden. Wittersheim: „Wir waren sehr empört über diesen Vorgang, der den Bestimmungen zur Zwischenlagerung zu entsprechen scheint, nämlich zum Schutze des Baumbestandes soll es ins Feld gekippt werden und nicht wie früher an den Waldrand.“

Er ist entsetzt, denn gerade im Zusammenhang mit der Nachsorge zur EHEC-Krise sei von kontaminierten Getreide gesprochen worden, das nicht in die Nahrungskette gelangen dürfe.

Rechtlich ist festgelegt, dass der Kot abgedeckt werden muss. Einer von sieben Haufen in der Gemeinde Wriedel, die Wittersheim in Absprache mit dem Kreisveterinäramt registriert und kartografiert hat, ist inzwischen abgedeckt. Andere liegen nach Aussage der Initiative zum Teil noch frei.

Was die Kadaver im HTK angeht, so greift hier die Tierkörperbeseitigungspflicht. Tierteile im Kot werden toleriert, wenn sie nicht über das „übliche Maß“ hinausgehen.

Zumindest bei den Haufen bei Schatensen soll die Menge nicht bedenklich gewesen sein. Nach Aussage des Kreisveterinäramtes seien nur vereinzelt Flügel zu sehen gewesen (AZ berichte). Zudem lägen viele der von Wittersheim skizzierten Fälle lange zurück, konkrete und aktuelle Hinweise würde das Veterinäramt prüfen.

Mit dem Schreiben ans Amt hofft „HTK-Watch“ die Behörden hinsichtlich der Richtlinien zur Lagerung und der Genehmigung von HTK-Dünger zu sensibilisieren, der günstiger als anderer Mineraldünger ist. Bisherige Verfahren würden mehrere Gefahren bergen: Die Kontamination des Bodens und damit des Getreides, das in die Nahrungskette gelangen kann. Wildtiere könnten sich an Kadaverteilen anstecken. Durch HTK von Tieren, denen Antibiotika zugeführt wurde, könnten antibiotika-resistente Keime verbreitet werden. Wittersheim sammelt derzeit Spenden, um eine bakteriologische Analyse von HTK finanzieren zu können. Er betonte, die Initiative richte sich nicht gegen Landwirtschaft, sondern auf noch nicht optimierte Abstimmung der Behörden.

Der Bauantrag für die beiden Hähnchenmastanlagen für je 42 000 Tiere in der Nähe von Schatensen (AZ berichtete) läuft noch. Der Antrag ruht derzeit, weil Unterlagen fehlen.

Von Wiebke Brütt

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