Bei ihr ist es immer rappelvoll

Inge Pfanzagl war 30 Jahre lang Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Ebstorf

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Blumen für Inge Pfanzagl, die 30 Jahre als Vorsitzende den DRK-Ortsverein Ebstorf geleitet hat. Es bedanken sich DRK-Präsident Konrad Lampe (von (links), Vizepräsidentin Simone Dirr und der Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbands Heinz Meierhoff. 

Ebstorf. „Wenn ich zu viel rede, dann müssen Sie mich bremsen“, warnt Inge Pfanzagl den Gast mit einem Augenzwinkern. Die AZ trifft sie natürlich im Ebstorfer DRK-Haus am Domänenplatz, ihrer Wirkungsstätte. Hier ist immer was los.

Spiele-Nachmittag, zweites Frühstück, Computer-Club – das ehemalige Feuerwehrhaus ist ein Treffpunkt. Über 6.000 Menschen kamen im vorigen Jahr, Tendenz steigend. Die Zahl nannte die 84-Jährige jetzt bei der Jahreshauptversammlung. 30 Jahre war sie die Vorsitzende des DRK-Ortsvereins, der fast 500 Mitglieder zählt. Jetzt gibt sie ihr Amt in jüngere Hände.

„Es ist ja nicht so doll, wenn hier eine Alte sitzt, aber was soll man machen?“, scherzt Inge Pfanzagl. Es hat lange gedauert, bis die Ortsvereinsvorsitzende eine Nachfolgerin, Petra Schlechter, gefunden hat, und so lange hat sie weitergemacht – für die vielen Menschen, die die Angebote des DRK nutzen und die hier Gemeinschaft und Kontakte finden. Was sie dabei antrieb, war der Rot-Kreuz-Gedanke. Für sie bestand er darin, ein offenes Ohr für Menschen zu haben, die Hilfe brauchen.

„Es gibt Menschen, die sind nicht in der Lage, Kontakte zu knüpfen. Das ist eine Gabe, die kann man nicht lernen“, erklärt die grauhaarige Dame. Gelegenheit, das zu ändern, gibt es etwa beim Kochclub. Als zweifache Mutter und fünffache Großmutter ist es Inge Pfanzagl gewöhnt, für ein paar Esser mehr zu kochen. Suppe, Hauptgang, Nachtisch – bis zu 30 Teilnehmer sitzen dann am Tisch. „Wenn Sie sehen, wie sie sich freuen und miteinander schnattern und sich verabreden“, erzählt die scheidende DRK-Vorsitzende, „dann denke ich: Ich habe alles richtig gemacht.“

Dabei ist sie, wie sie selbst es nennt, 1988 zu dem Amt gekommen „wie die Jungfrau zum Kinde“, und das auch noch als Zugezogene. Pfanzagl wurde in Leipzig geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre in Essen verschlug es sie eher zufällig in den Klosterflecken, weil die Schwiegereltern hier lebten. In fast 50 Jahren als Sprechstundenhilfe in zwei Arztpraxen lernte sie dann aber bis zu vier Generationen der Ebstorfer kennen. Schluss war erst mit 78.

In den achtziger und neunziger Jahren war Inge Pfanzagl als CDU-Ratsfrau im Fleckenrat aktiv. „Man musste immer etwas mehr leisten als die Männer, aber ich habe ja keine Angst was zu sagen“, erzählt sie. Die vielen Kontakte kamen ihr zugute, wenn es darum ging, etwas für den DRK-Ortsverein zu erreichen oder Spenden einzuwerben.

Zunächst trafen sich die Mitglieder in der Wichernstraße. Später konnten sie das Dachgeschoss im ehemaligen Feuerwehrhaus nutzen, das damals Rettungswache war. Doch die Treppe war für viele Interessierte ein Ausschlusskriterium. Deshalb war es ein Glücksfall, als das Erdgeschoss für den Ortsverein ausgebaut wurde, mit Rampe für Rollator und Co. „Es ist immer rappelvoll, aber das macht nichts“, sagt Inge Pfanzagl. „Wir stellen noch einen Stuhl dazu.“ 62 Freiwillige, die Ortsvertrauensfrauen, helfen ihr dabei.

Ihr ehrenamliches Engagement hat die 84-Jährige, die mit Bundesverdienstkreuz, DRK-Verdienstmedaille und bei Mensch 2013 ausgezeichnet wurde, nie bereut. „Das ist ein Teil meines Lebens, das möchte ich nicht missen.“

Zukünftig hat sie mehr Zeit zum gemeinsamen Musizieren mit den Veeh-Harfen. „Probieren Sie es einmal aus. Es ist wirklich einfach und es macht sehr großen Spaß.“

Von Gerhard Sternitzke

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