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In Linden legen sechs junge Leute einen Agroforst an

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Pflanzaktion in Linden
Pflanzaktion auf einer Länge von 190 Meter: Die jungen Leute pflanzen 150 Pappeln und 50 Weiden.  © Freier Mitarbeiter

Auf einem Feld bei Linden soll ein sogenannter Agroforst entstehen. Er dient der Windunterbrechung und damit einer geringeren Winderosion sowie der biologischen Vielfalt.

Linden – Der Schlag ist 11,5 Hektar groß. Eine Fläche soweit das Auge reicht. Doch seit dem Wochenende ist das, noch unscheinbar, ein bisschen anders. Denn der landwirtschaftliche Familienbetrieb Harleß wagt bei Linden ein Experiment: Ein Agroforst soll entstehen – aus Weiden und Pappeln mitten auf dem Feld.

Sechs Aktivisten sind dafür in Linden im Einsatz. Und Juniorchef Phillip Harleß zählt getrost dazu. Der 26-Jährige, der in Kiel Agrarwissenschaft im Master studiert, hat eine Gruppe junger Leute eingeladen und den Grund und Boden zur Verfügung gestellt. Sie kommen aus Brandenburg, aus dem Weinanbaugebiet Rhein-Hessen, aus Nürtingen in Baden-Württemberg, aus Franken in Bayern und aus Zittau in Sachsen, sind in der Ausbildung zum Landwirt, Nebenerwerbslandwirt oder eben Studierende. „Wir haben uns beim Jugendkongress der Deutschen Bundesstiftung Umwelt kennengelernt“, erzählt Harleß.

Die Stiftung fördert das Projekt, die jungen Leute sind ehrenamtlich im Einsatz und die Sechs haben am Wochenende 150 Pappeln und 50 Weiden gepflanzt. Den 190 Meter langen und drei Meter breiten Streifen im Feld haben sie mit Traktor und Geschirr aufgelockert. Jetzt geht das Pflanzen recht schnell: Die Ruten werden in den Boden gesteckt und angedrückt. Und alle sind hoffnungsvoll: „Im kommenden Jahr ist schon etwas zu sehen.“

Denn das ist ja auch das Ziel dieses Agroforsts: Windunterbrechung und damit weniger Winderosion, biologische Vielfalt und weniger Wasserabtrag. Die schnell wachsenden Bäume sind in ein paar Jahren „erntereif“, können etwa zu Hackschnitzeln verarbeitet werden und nutzen Nährstoffe im Boden, die tiefer als die gepflanzten Kulturen ringsum liegen. Der Agroforst ist dabei so angelegt, dass er die maschinelle Pflege und Ernte auf der Ackerfläche nicht behindert, wie Phillip Harleß hervorhebt.

Denn der ist sich der Vorbehalte von Berufskollegen durchaus bewusst: Die fürchteten, auch rechtlich gesehen, Ackerfläche für immer zu verlieren. Denn ein Wald steht schließlich unter Schutz. Und Ackerland ist Ackerland. So ist der Agroforst ein Zwischending, eine „Kurzumtriebsplantage“, die es gegebenenfalls nur auf Zeit gibt. „Die Berufskollegen, aber auch mein Vater, sind da sehr vorsichtig“, sagt Harleß. Doch der Junior ist wie seine Mitstreiter deutlich optimistischer, dass es positive Effekte für den Boden und die Tierwelt – Stichwort: Biodiversität – gibt.

Die Sechs hoffen, dass dieses „geile Thema“ (Harleß) mehr Aufmerksamkeit bei anderen Landwirten erzielt. „Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft betreibt bereits einen guten Internetauftritt“, sagt Konstantin Grandl, Ökologiestudent aus Zittau.

Und die Gruppe will noch nachlegen: Anfang 2023 will sie ein Handbuch vorlegen, das Empfehlungen rund um den Agroforst enthält. Dabei wird sie erneut von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützt. Dann gibt es Geld für ein professionelles Layout. Damit der Agroforst Zukunft hat.

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