„Ich akzeptiere die Konsequenzen“

Abgehängtes AfD-Plakat: Verfahren gegen Heiko Senking wird gegen Geldbuße eingestellt

Ebstorf. Letzter Akt um ein abgehängtes AfD-Plakat (AZ berichtete): Das Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung gegen den Ebstorfer Bürgermeister Heiko Senking wurde bereits Anfang Januar gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 150 Euro an eine gemeinnützige Organisation eingestellt. Das teilt die zuständige Staatsanwaltschaft Stade auf AZ-Nachfrage mit.

Im September hängte Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking ein AfD-Plakat ab.

„Ich akzeptiere die Konsequenzen“, sagt Senking. Als Vorsitzender des TSV Ebstorf hatte er im September, in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs, ein Plakat der Partei, das vor der TSV-Geschäftsstelle hing, von einem Laternenmast abgenommen. „Neue Deutsche? Machen wir selber“, stand darauf. In seinem Verein haben viele der 2300 Mitglieder einen Migrationshintergrund. Senking fühlte sich provoziert. „Es hing gerade in Augenhöhe. Ich wollte ein Signal geben“, erinnert er sich. „So bin ich halt. Das hab’ ich einfach gemacht.“ Den Gesetzesverstoß nahm der Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Lüneburg in Kauf. Und zeigte sich gleich selbst wegen Sachbeschädigung an. Später hängte er das Plakat zehn Meter weiter wieder auf. Der TSV-Vorstand trug die Aktion mit.

Hätte es Senking beim Abhängen belassen, das Verschwinden eines Plakats wäre vermutlich nicht einmal bemerkt worden. Doch ein Handyfoto und ein paar Zeilen, die der umtriebige UWG-Politiker bei Facebook einstellte, bescherten ihm am Ende mehr Aufmerksamkeit, als ihm lieb gewesen wäre. Der kleine Beitrag wurde in dem sozialen Netzwerk tausendfach geteilt. Der Ebstorfer Sportvereins-Chef erhielt viel Zustimmung und wütende Ablehnung.

Zu der Geldbuße sagt er deshalb: „Das ist für 49 Cent Sachbeschädigung ziemlich hoch gegriffen für das, was passiert ist.“ Was passiert ist: Senking wurde die Luft aus den Reifen gelassen. Er erhielt mehrere Morddrohungen, wie er berichtet. „Du bist schon tot“, drohten Unbekannte. Dinge wurden auf seinen Namen bestellt. „Wenn ich Widerspruch einlege, würde das wieder losgehen.“

Mit dem zeitlichen Abstand zieht Senking auch allgemeine Schlussfolgerungen aus der Debatte über seine Aktion: „Man kann sehen, wie zerrissen die Gesellschaft ist“, folgert er. Er habe auch den Absendern harscher Mails geantwortet. „Mit fast allen, mit denen ich in Kontakt war, habe ich mich vernünftig unterhalten.“

Wiederholen würde Senking die Aktion wohl nicht. „Den ganzen Stress müsste ich mir nicht noch mal antun, aber die Erfahrungen sind unschätzbar für mein Politikverständnis.“

Von Gerhard Sternitzke

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Privat

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