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Hilfe für indische Ureinwohner

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Hermann Brünjes mit indischen Gastgebern in der Siedlung.
Hermann Brünjes vom Freundeskreis missionarischer Dienste besichtigt die neue Siedlung für die vom Staudamm Vertriebenen. Häuser wurden von der indischen Regierung gebaut, es gibt jedoch keine Weiden und Wälder. © Privat

Es ist eine Reise in eine andere Welt. Das Auto rumpelt über schmale Straßen, die nicht mehr repariert werden. Ein Pfau kreuzt den Weg. Es geht durch liebliche Täler mit uralten Bäumen, Feldern und Dörfern. Ein Paradies mit Ablaufdatum. Mehr als 300 indische Dörfer, in denen überwiegend die Ureinwohner, Adivasi genannt, leben, werden durch einen Staudamm geflutet.

Hanstedt I/Andra Pradesh – Eines dieser Dörfer ist Koida, das seit 1979 vom Freundeskreis Missionarische Dienste betreut wird, der auch Träger des Missionarischen Zentrums in Hanstedt I ist. Über die Situation der Bewohner, die Christen sind, berichtet Hermann Brünjes, Leiter des Arbeitskreises Weltmission im Freundeskreis.

Trinkwasser ist nicht mehr genießbar

2004 war Baubeginn für den Staudamm am Fluss Godavari, inzwischen ist das Bauwerk fast fertig. „Das Wasser ist schon gestiegen“, berichtet Brünjes. „Es ist nicht mehr genießbar.“ Eigentlich sollten die Dorfbewohner schon vor zwei Jahren aus ihrem Gebiet, mit dem sie auch emotional eng verbunden sind, umgesiedelt werden. Dann kam Corona. Die neue Siedlung, die die Regierung des Bundesstaats Andra Pradesh im Südosten Indiens zur Verfügung stellt, ist auch noch gar nicht fertig.

Zehn Familien leben dort schon. Schotterstraßen, Strommasten, feste Häuser – auf den ersten Blick ein Fortschritt. Allerdings waren die traditionellen luftigen Hütten besser für das heiße Klima geeignet. Häuser und Äcker werden von der Regierung ersetzt, nicht aber das Umfeld. „Die verlieren ihre Lebensgrundlage“, beklagt Brünjes. „Kein Wald mehr zum Sammeln von Feuerholz und Früchten, verlorener Lebensraum für Menschen, Schafe, Ziegen und Rinder. Kein Fluss mehr mit Fischen und Trinkwasser für Mensch und Tier.“

Plantagen der Großgrundbesitzer begrenzen Ersatzsiedlung

Die Umgebung ist bereits vergeben und wird überwiegend von Großgrundbesitzern bewirtschaftet. Auf dem Weg passierte Brünjes Eukalyptuswälder, in denen Holz für die Papierfabrik produziert wird, Ölpalmenplantagen und Tabakkulturen. Für die Ankömmlinge wird es trotzdem kaum Arbeit geben.

Die Häuser der neuen Siedlung sind schachbrettartig angeordnet, ohne Bäume und Schatten. Brünjes befürchtet, dass hier städtische Lebensweisen aufkommen, die die Traditionen und den Zusammenhalt der Ureinwohner zerstören. „Alles verlieren – nicht so brutal wie im Krieg, aber doch unverschuldet und lebensbedrohlich“, fasst er die Lage zusammen.

Der Freundeskreis missionarische Dienste hat früher ein Kinderheim in Koida finanziert. Derzeit wird eine Hausaufgabenbetreuung bezahlt. Die Probleme, die sich aus der Zwangsumsiedlung ergeben, kann er nicht lindern. Finanzieren möchte er jedoch eine Kirche für die neue Siedlung. Die 5000 Euro für den Neubau sollen durch Spenden aufgebracht werden.

• Informationen im Internet: www.fmd-online.de.

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