Bevensen-Ebstorf: Ausschreibung der Samtgemeinderats-Stelle sorgt für Zündstoff

„Hier geht es um Fachkompetenz“

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Die Chemie zwischen Torsten Wendt (links) und Hans-Jürgen Kammer stimmte – doch der Samtgemeinderat hat entschieden, die Stelle des Ersten Samtgemeinderates auszuschreiben und nicht Wendt direkt zu wählen.

Bad Bevensen. Das Pflegen „alter persönlicher Befindlichkeiten“ und „parteipolitisches Kalkül“ nennen es die einen. Das Ende der „Postenzuschieberei“ und „Klüngelei“ nennen es die anderen. Die Entscheidung des Samtgemeinderates Bevensen-Ebstorf, Torsten Wendt, den Bürgermeister der ehemaligen Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf, nicht ohne Bewerbungsverfahren zum Ersten Samtgemeinderat zu wählen und stattdessen die Stelle auszuschreiben (AZ berichtete), sorgt für Diskussionsstoff.

Vor allem die CDU/FDP-Gruppe wird kritiert. Denn die hatte gemeinsam mit den beiden Mitgliedern der Wählergemeinschaft Freie Bürgerliste Ebstorf (FBS) bei der vergangenen Ratssitzung gegen die Direktwahl des parteilosen Wendt gestimmt. Er muss sich nun auf die Stelle des Ersten Samtgemeinderates bewerben.

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„Das ist Demokratie. Es ist eine Stelle wie jede andere auch. Beim Landkreis ist gerade eine ganz ähnliche Stelle ausgeschrieben und da wird kein Aufhebens drum gemacht“, betont Ulf Schmidt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Samtgemeinderat.

Martin Oesterley (CDU), stellvertretender Landrat und ehemals Bürgermeister des Klosterfleckens Ebstorf, sieht in der Entscheidung der CDU-Fraktion auch keinen Affront gegenüber Wendt. „Soweit ich das als Außenstehender beurteilen kann, spielen dabei persönliche Befindlichkeiten keine Rolle. Das hat nichts mit Herrn Wendt zu tun. Hier geht es um Fachkompetenz“, betont der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Ebstorf. „Ebstorf ist in der neuen Samtgemeinde der schwächere Partner. Da muss man jemanden haben, der die Ebstorfer Interessen wahrt. Die Stelle auszuschreiben ist demokratisch. Der einzige Vorteil von Torsten Wendt ist, dass er schon acht Jahre in Ebstorf gearbeitet hat.“ Genau dieses Know-How Wendts – über die Vorgänge im Gebiet der alten Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf – hält Bevensen-Ebstorfs Samtgemeindebürgermeister Hans-Jürgen Kammer jedoch für ein Plus, auf das er nicht verzichten möchte. „Torsten Wendt ist der Vertreter der Interessen Ebstorfs“, macht Kammer deutlich. Gemeinsam hatten Wendt und Kammer die Fusion der Samtgemeinden Bevensen und Ebstorf, die zum 1. November umgesetzt wurde, vorbereitet. Auf der Ratssitzung hatte Kammer darum dafür appelliert, seinen einstigen Amtskollegen zu seinem Stellvertreter zu wählen und von seinem Vorschlagsrecht für die Besetzung dieser Position Gebrauch gemacht. Überzeugen konnte er nur 20 der anwesenden 35 Ratsmitglieder – notwendig gewesen wären 28 Stimmen. Kammer: „Das treibt einen Keil durch die neue Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf.“

Unterdessen bringt „Bürger für Bad Bevensen“ – die Fraktion ist in den Rat der Kurstadt, nicht aber in den Samtgemeinderat gewählt worden – eine Grundsatzfrage aufs Trapez: Sie bezweifelt die Notwendigkeit der Zeitbeamtenstelle. Die Aufgaben könnten auf andere, bereits bestehende Posten verteilt werden – um Personalkosten zu sparen. Ein Vorschlag, der für Kammer nicht in Frage kommt: „Ich brauche einen Vertreter und es fehlt derzeit ein Fachbereichsleiter. Gerade mache ich die Arbeit von drei Stellen.“

Von Wiebke Brütt

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