Festival im Klosterflecken

Heiß, heißer, Heidebeben: 2.500 Rockfans feiern in Ebstorf

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Musikalisches Können und Spielfreude: Bei „Sir Bon“ fliegen im Publikum die Haare. Die Band covert eindrucksvoll AC/DC-Werke und gehört zu den Künstlern, die beim Heidebeben in Ebstorf auftreten. 

Ebstorf – Es ist laut. Die Haare fliegen. Die Luftgitarre wird ausgepackt. In Ebstorf feiern noch einmal Rockmusikfans. Das „Heidebeben“ wird künftig anders aussehen.

Was haben Atomwaffentests, Bergbau und Geothermie gemeinsam? Sie gelten als Ursachen für menschengemachte, seismische Aktivitäten – kurz Erdbeben. Wer auf einem Livekonzert schon einmal vor einem großen Lautsprecher stand, während der Bass einsetzt, kann wohl nachvollziehen, dass Musik dieser Liste hinzuzufügen ist. In einem deutlich positiveren Sinne allerdings. Jedenfalls erklärt sich auf diese Weise sehr gut der Name „Heidebeben“ für ein Open- Air-Festival in Ebstorf, das sich, bis jetzt, dem Rock verschworen hat.

Der Plan am vergangenen Sonnabend auf dem Schützenplatz: Wildes Ohrenbeben statt Wolkenbruch. Vor zwei Jahren musste das erste Festival vorzeitig abgebrochen werden, weil das Wetter nicht wirklich mitspielen wollte.

Für Organisator und Bürgermeister Heiko Senking noch einmal die Gelegenheit, der Veranstaltung seinen Stempel aufzudrücken, bevor er sich aus der aktiven Arbeit für das Heidebeben zurückzieht.

Zum letzten Mal die Fäden hinter der Bühne in der Hand: Heiko Senking zieht sich vom Heidebeben zurück.

„In dieser Form wird das Festival zum letzten Mal stattfinden. Jetzt sollen Jüngere ran“, erzählt er. Ihm sei es wichtig, den Zeitgeist weiterhin zu treffen. Neben Rock könne er sich genauso gut Schlager oder Mallorca-Abende vorstellen. „Hauptsache es bleibt ein harmonisches Fest, das die Leute verbindet.“

Alte Bekannte und neue Gesichter

Doch an diesem Abend sollten definitiv noch einmal die Rockfans auf ihre Kosten kommen. Heiko Senking hat bereits 1999 Live-Konzerte für seinen Motorradclub „Brenner 83“ in Vinstedt organisiert und damals eine junge Rammstein-Tribute-Band mit dem Namen „Feuerengel“ engagiert. Mit deren Bekanntheit wuchs auch das Festival, zuletzt kamen 10.000 Gäste an vier Tagen. In Vinstedt war vor sechs Jahren Schluss.

Sorgen für Stimmung: Die Jungs von Feuerengel.

„Feuerengel“ zählt bis heute zu den beliebtesten Spiegelbildern der Hitmaschinerie mit dem großen Bühnenspektakel. Auf die nahezu perfekte Illusion können sich die Fans beim Heidebeben für 15 statt für mehr als 80 Euro schon einmal freuen. Daneben sind auch „Sir Bon“ – bekannt für eindrucksvolle AC/DC-Cover – beim Heidebeben dabei.

Neu auf der Ebstorfer Bühne und doch ganz Zuhause ist an diesem Abend die Band „Kraftakt“. Vier der sechs Musiker sind in Ebstorf aufgewachsen, kennen sich zum Teil noch aus der Schule, haben sich aber erst vor gut zwei Jahren mit Unterstützung aus Lüneburg dem „New Rock“ verschrieben.

Hitze des späten Abends

Die erste Band des Abends ist auch die einzige mit Songs ausschließlich aus eigener Feder, die sich nicht so recht in eine Schublade stecken lassen möchte. „Wir sind gute Freunde und geben den Ideen der anderen Raum. Deshalb ist auch jeder Song anders und trägt doch die Handschrift der Band“, erzählt Sänger Dominik Schlüter, der erst vor zwei Jahren von Köln zurück in seinen Heimatort Ebstorf gezogen ist. Die Hitze des frühen Abends und anfängliche Probleme mit der Technik überspielen die Jungs in Profi-Manier und können einige Fans für sich gewinnen.

Die Band „Sir Bon“ macht mit ihren AC/DC-Covern am Sonnabend gleich mehrere Generationen glücklich.

Was Feuerengel für viele Rammstein-Fans ist, lässt AC/DC-Anhänger an diesem Sonnabend zum Auftritt von Sir Bon strömen. Die Lokalmatadore sind in Sachen Kleidungsstil und Auftreten zwar vollkommen sie selbst, doch die Hits der Rocklegenden sitzen vom ersten Ton an. Dazu kommt jede Menge Spielfreude und ein Publikum, das frenetisch mitsingt – von „Hells Bells“ bis „Touch Too Much“. Jetzt fliegen auch die Haare und die Luftgitarren werden ausgepackt.

An den Getränkeständen und den wenigen Dixi-Toiletten werden die Schlangen länger, während auf der Bühne die letzten Vorbereitungen für den Hauptact laufen. Als der große schwarze Vorhang fällt, ist es 21.30 Uhr und Feuerengel machen sich daran, die Heide mit Feuer statt mit Wasser zum Beben zu bringen.

Pyro-Show zum Abschluss

Vor zwei Jahren musste das Spektakel nach sechs Songs abgebrochen werden, weil es in Strömen regnete.

Die Pyro-Theater-Show beim Auftritt von „Feuerengel“ ist beeindruckend.

Diesmal ist das Set komplett. Inklusive neuer Rammstein-Songs, heiß geliebter Klassiker und effektvoller Pyro-Theater-Show. Jetzt ist auch endlich klar, welchem Zweck der Wellenbrecher einige Meter vor der Bühne dient. Mit Feuerfontänen und Rauchexplosionen wird’s auch mit diesem Sicherheitsabstand ganz schön heiß in den ersten Reihen.

Die Fans genießen den Funkenflug beim zweiten Heidebeben. Mal sehen, wen sie hier in Zukunft zu sehen und zu hören bekommen.

VON JANIN THIES

Impressionen vom Heidebeben 2019 – Teil I

Impressionen vom Heidebeben 2019 – Teil II

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