Sprayer Jonathan Sachau lässt Stromkästen hinter bunten Bildern verschwinden

Gute Laune aus der Sprühdose in Ebstorf

Jonathan Sachau schafft auf zwei Stromkästen in Ebstorf eine Sommerlandschaft mit Rad. Der 36-jährige Hamburger hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.
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Jonathan Sachau schafft auf zwei Stromkästen in Ebstorf eine Sommerlandschaft mit Rad. Der 36-jährige Hamburger hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Ebstorf – Pfft. Pfft. Pfffffft. Leise zischt die Farbe aus der Sprühdose. Jonathan Sachau – Turnschuhe, Cargohose, Kapuzenshirt – hockt gestern vor zwei nebeneinander stehenden Stromkästen, auf denen unter seiner Hand eine Landschaft entsteht.

Und das ganz legal, denn der 36-Jährige verschönert im Auftrag des Klosterfleckens Ebstorf insgesamt vier Kästen am Winkelplatz.

Die ersten beiden Schandflecken stehen genau hinter einer Ausflugskarte und der Fahrrad-Reparaturstation. So zaubert Sachau, das Gesicht hinter einer Doppelfilter-Maske verborgen, ein Getreidefeld, ein Wäldchen und ein Fahrrad unter einen blauen Himmel mit Schönwetterwölkchen. Das Rad ist abgestellt, als wenn sich der Benutzer gerade aufgemacht hätte, einen Strauß Wiesenblumen zu pflücken. „Ich habe ein Motiv gesucht, das Lust auf einen Ausflug macht“, sagt der Sprayer mit dem Künstlernamen Dosenfutter.

Seine künstlerische Begabung mit der Sprühdose hat der gebürtige Segeberger bereits als Jugendlicher entdeckt. Später studierte er deshalb Kunst, entschied sich aber gegen das Dasein als Lehrer, und das auch wirtschaftlich erfolgreich. Heute beschäftigt der Hamburger Sprüh-Künstler, der sich 2013 selbstständig gemacht hat, bereits vier weitere Sprayer, die Flächen vom Garagentor bis zum Großbauwerk gestalten. So ersann Sachau für einen großen Flakbunker in Hamburg-Wilhelmsburg ein Motiv, das das monströse Bauwerk aus dem Zweiten Weltkrieg aufreißen lässt und Einblick ins Innere des Betonkolosses gibt.

Mal machen die Bilder gute Laune, wie das Rad oder die Heidelandschaft am Winkelplatz, mal lassen sie etwas verschwinden – wie den vierten Kasten, der jetzt der Ziegelmauer dahinter gleicht.

Eigentlich sind Spraydosen denkbar ungeeignet fürs Malen, weil sie ungenau arbeiten. Sachau hat außer 30 verschiedenen Farbtönen einen ganzen Kasten mit breiten, mittleren und feinen Düsenaufsätzen dabei. Mit schnellen Bewegungen sprüht er Ähren ins Bild. Die Wölkchen bekommen durch ein etwas dunkleres Blau Plastizität. Grundlage der Bilder sind Fotos, aber auch genaue Naturbeobachtung.

Gegen den giftigen Sprühnebel schützt sich der Sprayer mit einer guten Maske. „Das ist einer der Nachteile meines Berufs. Im geschlossenen Raum ist das fieser“, sagt der Vater zweier Kinder. Dafür freut sich Sachau immer wieder über die positiven Reaktionen. „Das bekommt man in der Schule nicht.“ VON GERHARD STERNITZKE

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