Wölfe haben in Tatendorf offenbar zwei trächtige Heidschnucken und einen Bock gerissen

Es geschah direkt vor der Haustür

Der Bock auf seiner Weide in Tatendorf hatte gegen die Wolfs-Attacke keine Chance. Ebenso erging es zwei hochträchtigen Heidschnucken. Fotos: Hackenberg
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Der Bock auf seiner Weide in Tatendorf hatte gegen die Wolfs-Attacke keine Chance. Ebenso erging es zwei hochträchtigen Heidschnucken.
  • VonSandra Hackenberg
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Tatendorf. Der Schock ist dem Ehepaar Jenckel anzusehen. Gegen 7 Uhr morgens fand Hofmitarbeiter Wilfried Fischer drei der zwölf Heidschnucken von Landwirt Kai Jenckel tot auf. Der Leitbock der Herde liegt auf dem Acker in Tatendorf, in seinem Bauch klafft ein tiefer Riss.

Zwei trächtige Schnucken wurden mit einem Kehlbiss erlegt, eine davon liegt in unmittelbarer Nähe zum Wohnhaus, in dem die Mutter des Landwirts lebt. „Es handelt sich um wolfstypische Kehlbisse“, bestätigt Wolfsberater Theo Grüntjens. Die Kadaver seien noch warm gewesen.

„Wenn es tatsächlich Wölfe waren, wurden sie wahrscheinlich gestört“, so Grüntjens. Das erkläre, warum die Raubtiere nicht von den Kadavern gefressen haben. „Es handelt sich um Tötungsbisse.“

Für Melanie Jenckel, Mutter von zwei Töchtern im Alter von acht und zehn Jahren, ist dieses Verhalten nur schwer nachvollziehbar. „Die Tiere sind ganz umsonst gestorben“, sagt sie traurig. „Darunter war das Lieblingstier meiner Tochter.“

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Wölfe in Niedersachsen

Die Familie habe schon länger ein ungutes Gefühl gehabt. „Die Schafe sind für uns nicht einfach Tiere“, erklärt Melanie Jenckel. „Wir haben zu ihnen eine Beziehung.“ Deshalb habe ihr Mann bereits begonnen, die ein Meter hohen Maschendrahtzäune auf 1,50 Meter zu erhöhen. Dann habe ihm aber der Frost einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Mir tut Herr Jenckel leid, weil er das Richtige tun wollte“, so Grüntjens. „Nur leider zu spät.“ Wäre die gesamte Umzäunung der vier Hektar großen Schafswiese bereits erhöht worden, hätte das die vermuteten Wölfe abgehalten, glaubt Grüntjens.

Er hat auf der Wiese und auf einer Brücke, die über die Schwienau führt, wolfsähnliche Spuren festgestellt. Diese würden darauf hindeuten, dass es sich um mehr als ein Tier gehandelt hat. Von den Bisswunden der erlegten Heidschnucken hat Grüntjens Proben entnommen, die nun DNA-technisch untersucht werden. Erst dann könne man mit Gewissheit sagen, ob ein oder mehrere Wölfe für die Attacke verantwortlich sind.

Auf der Schafsweide wurden wolfstypische Spuren gesichert.

So lange will der betroffene Landwirt nicht warten. „Das größte Raubtier Deutschlands steht direkt vor unserer Haustür – im Blutrausch“, sagt er. Noch gestern begann er damit, den Stall der Schafe mit Drähten zusätzlich abzusichern. Man wolle nicht noch mehr Tiere verlieren. Vier Schnucken, die überlebt haben, trugen Kehlbisse davon. „Wir wissen noch nicht, ob sie durchkommen“, so Jenckel. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die trächtigen Schafe wegen des Stresses verlammen.

Das Paar sorgt sich um seine Töchter. „Die Zeiten, in denen ich sie draußen alleine Fahrrad fahren lasse, sind vorbei“, bestätigt Jenckel. „Wir geben nicht dem Wolf die Schuld“, stellt seine Frau klar. „Sondern den Menschen, die ihn in Schutz nehmen.“ Ihre Töchter seien in den Waldkindergarten gegangen, der 200 Meter entfernt liegt. Gerade hat die Ebstorfer CDU-Fraktion gefordert, dass der Kindergarten aufgrund der drohenden Wolfsgefahr seinen Standort wechseln soll. „Es kann nicht sein, dass der Mensch weichen muss, damit der Wolf wüten kann“, sagt Melanie Jenckel. Das Tier müsse lernen, dass es sich dem Menschen nicht nähern dürfe.

Theo Grüntjens warnt allerdings vor Panikmache. „Der Wolf streift schon länger nachts durch Wohngebiete im ländlichen Raum“, erklärt er. „Wir bekommen es nur nicht mit.“ Wenn sich etwas rege, sei er aber schnell verschwunden.

Was Familie Jenckel bleibt, ist die Trauer um ihre Schafe. Und Zweifel. „Man fragt sich schon, ob man die Tiere diesem Risiko überhaupt noch aussetzen will“, sagt Melanie Jenckel traurig.

Gleich neben Wohnhaus: Wolfsriss an trächtigen Heidschnucken

Gleich neben Wohnhaus: Wolfsriss an trächtigen Heidschnucken

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