Quecksilberhaltige Reste aus der Erdgasförderung liegen bei Brambostel / Bürgerinitiative fordert Rückbau

Wie gefährlich ist der Bohrschlamm?

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Mitten in den Feldern bei Brambostel, an der Förderanlage Schmarbeck Z 3 wird das Erdgas aus tausenden Metern Tiefe gefördert und aufbereitet. Bei den Bohrungen fiel quecksilberhaltiger Schlamm an, der in der Nähe deponiert wurde.

Brambostel. Grasbedeckte Mauern aus gewaltigen Findlingen, Bauernhöfe, die unter Bäumen verschwinden – das ist Brambostel im äußersten Westen des Landkreises Uelzen. Der Milan kreist am Himmel, seine Schwanzfedern schimmern rötlich im Sonnenlicht.

Ein Grundwasser-Messbrunnen an der Bohrschlamm-Deponie.

Die Betriebsgeräusche der Förderanlage Schmarbeck Z3 – ein paar Rohre und Kessel, deren Funktion sich dem Laien nicht erschließt – werden vom Gezwitscher der Vögel überstimmt. In mehreren tausend Metern Tiefe unter den Brambosteler Feldern und Wäldern wird an drei Stellen Erdgas gefördert. Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Uelzen warnt jetzt vor der giftigen Hinterlassenschaft: dem quecksilberhaltigen Bohrschlamm aus vergangenen Jahrzehnten.

Unmittelbar an den Rheinmetall-Schießplatz angrenzend zieht sich die grasbewachsene Deponie einen halben Kilometer lang an einem asphaltierten Feldweg hin, etwa 50.000 Quadratmeter Land, schätzt die Bürgerinitiative. Sie vermutet, dass Grundwasser und Boden durch austretende Schadstoffe gefährdet sind. „Die Bohrschlammgruben sind nicht nach unten abgedichtet“, befürchtet BI-Mitglied Bernd Ebeling.

Die Bürgerinitiative fordert das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie sowie den Betreiber Exxon Mobil auf, alle bisherigen Messdaten zu veröffentlichen, die anliegenden Gewässer und Böden auf Schadstoffe zu untersuchen und die Deponie nach neuesten Sicherheitsstandards zurückzubauen.

Bei den Bohrungen und der Förderung gelangt mit dem Bohrschlamm immer auch Quecksilber an die Oberfläche. „Heute wird dieser in der Regel von zertifizierten Unternehmen entsorgt“, erklärt BI-Sprecher Daniel Baum. „Doch früher wurde der Bohrschlamm häufig direkt neben den Förderanlagen in Gruben gefüllt.“

Geschützdonner im Hintergrund, irgendwo hinter dem Kiefernwald. Der Teich nebenan ist ein kleines Idyll. Ein Frosch springt ins Wasser, nur ein paar Ringe auf dem Wasser verraten ihn. Ein älterer Herr fährt mit dem Auto eine Runde. „Das ist lange her“, sagt er. Von 1971 bis in die achtziger Jahre wurde in den Brambosteler Feldern nach Erdgas gebohrt. Der schadstoffhaltige Schlamm aus der Tiefe wurde zunächst offen abgelagert und schließlich mit Folie und Erde abgedeckt. Aus Mobil wurde BEB und schließlich Exxon Mobil.

„Das ist so abgesichert“, dass kein Wasser eindringen kann“, sagt der Brambosteler. Exxon Mobil kontrolliere die zwölf Messbrunnen zweimal im Jahr. Da das Bergamt die Lagerung genehmigt habe, sei alles in Ordnung: Keine Gefahr.

Der Landkreis Uelzen bestätigt auf AZ-Anfrage, dass es im Kreis zwei „Zentral-Bohrschlamm-Gruben“ gibt, die eine bei Brambostel, die andere in der Nähe von Bohlsen. „Hier findet ein regelmäßiges Grundwasser-Monitoring statt“, teilt Kreis-Sprecher Martin Theine mit. „Die Ergebnisse werden dem Landkreis Uelzen durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie vorgelegt. Laut diesen Ergebnissen ergibt sich in beiden Fällen keine Gefährdung.“

Insgesamt elf kleinere Bohrschlammgruben sind nach Angaben des Landkreises über das gesamte Kreisgebiet verstreut. Sie befinden sich in der Regel in unmittelbarer Nähe zu den in den sechziger und siebziger Jahren angelegten Bohrlöchern.

Seit bekannt wurde, dass landesweit an hunderten ehemaligen Öl- und Gasbohrungen in Niedersachsen Altlasten liegen, führt das Landesamt unter Beteiligung der Bohrfirmen landesweit Messungen durch. Weder die Behörde in Clausthal noch Exxon Mobil konnten bis Redaktionsschluss zur Belastung in Brambostel und Bohlsen Stellung nehmen.

Von Gerhard Sternitzke

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