Ebstorfer loten Gefahr durch den Wolf aus / Haftpflichtversicherer vertraut Fachleuten

Furchtlose Waldkinder

Ungetrübter Spaß in der Natur: Im Ebstorfer Waldkindergarten sind Kinder und Erwachsene in Sachen Wolf gelassen. Archivfoto: dpa/lni
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Ungetrübter Spaß in der Natur: Im Ebstorfer Waldkindergarten sind Kinder und Erwachsene in Sachen Wolf gelassen.
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Ebstorf. Im Mai 2015 hatten sie sich das erste Mal zusammengesetzt: Vertreter von Verwaltung, DRK und Wolfsberater sowie der Förster hatten in Ebstorf gemeinsam eine Einschätzung der Gefährdung von Waldkindergartengruppen durch Wölfe erarbeitet.

Ergebnis: kein Grund zur Sorge. Zwischenzeitlich waren die Verantwortlichen, vorne weg Ebstorfs Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf, der Auffassung, dass man – unter anderem wegen AZ-Berichten über zunehmende Wolfsrisse und Wolfssichtungen – die Lage neu bewerten müsse. Kürzlich kam die Runde daher erneut zusammen.

Abermals lautete das Fazit nach eingehender Diskussion und Erläuterung der aktuellen Situation durch Wolfsberater Theo Grüntjens, dass das Fortführen des Waldkindergarten-Betriebs „mit keinem hohen und unvertretbaren Risiko verbunden“ sei, fasst Oelstorf zusammen. Gleichwohl könne „nicht mit absoluter Sicherheit“ davon ausgegangen werden, dass es in Einzelfällen nicht doch zu Übergriffen kommen könne, heißt es in einer Zusammenfassung des Gesprächs. Beispielsweise wenn Kinder sich „fluchtartig“ verhielten. Letztlich, erläuterte Grüntjens, wiesen alle Erfahrungen aus den vergangenen 65 Jahren in Europa darauf hin, „dass Menschen durch Wölfe weitaus weniger gefährdet sind als durch alltägliche Tätigkeiten wie Autofahren“.

In den Ebstorfer Waldgruppen sieht man die Situation offensichtlich auch gelassen. Die Situation dort sei insgesamt ruhig, berichtete Peter Vogt, beim DRK-Kreisverband zuständig für den Bereich der Kindergärten. Weder die Eltern noch die Beschäftigten sähen in dem verstärkten Auftreten von Wölfen ein Risiko, berichtete Wilhelm Oelstorf aus der Runde. Abmeldungen unter Hinweis auf Ängste habe es nicht gegeben.

Und so gelten im Ebstorfer Waldkindergarten seit 2015 nach wie vor folgende Maßnahmen: Die Kinder haben alle eine Trillerpfeife bei sich, die Erzieher sind mit lauter Sirene und Pfefferspray ausgerüstet worden, außerdem gibt es regelmäßige Infoveranstaltungen mit den Kindern.

Weniger entspannt sieht die Lage in den Kindergärten Eimke und Wriedel aus, berichtete Peter Vogt. Hier habe das DRK Waldtage beziehungsweise -wochen ausgesetzt, weil sich erhebliche Ängste in Teilen der Elternschaft abgezeichnet hätten.

„Es gibt hier immer wieder Wolfssichtungen“, sagt Ebstorfer Gemeindedirektor Oelstorf im AZ-Gespräch. Er selbst habe schon einen Wolf bei Tatendorf gesehen. Vor diesem Hintergrund habe sich die Gemeinde auch aus versicherungstechnischer Sicht Gedanken gemacht. Doch der Kommunale Schadenausgleich in Hannover, sozusagen der Haftpflichtversicherer für die Kommunen, sieht in Ebstorf verantwortungsvolles Handeln. Man sehe zurzeit keine konkrete Gefahr und stütze sich auf die Einschätzung der Fachleute.

Von Ines Bräutigam

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