Im Sommer Bostelwiebeck statt Wettenbostel

Förderung für Jahrmarkttheater in Bostelwiebeck: Zurück zu den Wurzeln

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Anja Imig (2. von links) und Thomas Matschoß sowie Mitstreiterin Andrea Hingst freuen sich über eine Förderung vom Bund.

Bostelwiebeck – Das Jahrmarkttheater in Bostelwiebeck rund um die Gründer Thomas Matschoß und Anja Imig bietet Kultur auf dem Land. Jetzt erhält es als eines von bundesweit sieben freien Theatern eine Bundes-Förderung im Rahmen des Pilotprojekts „Global Village Labs“.

Ziel ist es, den wechselseitigen Austausch zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft im ländlichen Raum zu fördern.

„Die Fördersituation ist nicht für den ländlichen Raum gemacht. Alles über 500 Euro ist schwierig“, sagt Matschoß. Kulturförderung sei eben hauptsächlich für die großen Städte gedacht. Daher sei eine Förderung ländlicher Strukturen sehr wichtig für das Jahrmarkttheater.

Mit den Mitteln soll aber kein neues Inventar angeschafft werden, sondern eine Fortbildung bestritten werden. „Es wird um die Themen Populismus, Alltagsrassismus und völkische Siedler gehen“, sagt Imig. Es habe schon Fälle gegeben, wo bei Vorstellungen von Gästen rechtsextremistische Zeichen und Symbole getragen wurden.

„Wir möchten einen geraden Rücken haben und wissen, wie wir am besten darauf reagieren. Solche Symbole wollen wir bei uns nicht haben“, sagt Imig. Die Erfahrungen aus dem Seminar sollen laut Matschoß später auch auf die Bühne gebracht werden.

Neben der Förderung stehen aber noch andere einschneidende Änderungen an. So war das Jahrmarkttheater dieses Jahr zum letzten Mal in Wettenbostel zu Gast. Künftig wird im Sommer in Bostelwiebeck gespielt. „Nach zwölf Jahren in Wettenbostel war der Topf an Geschichten ausgelöffelt“, sagt Thomas Matschoß. Die Orte auf dem Hof seien alle entdeckt und die Zeit gekommen, einen Neustart in Bostelwiebeck zu wagen. „Dort gibt es noch viele Geschichten, die erzählt werden wollen“, sagt Matschoß.

Natürlich sei das Ganze zugleich eine Reise ins Ungewisse und eine Reise zurück zu den eigenen Wurzeln. Wettenbostel sei immer größer geworden, jetzt wolle man noch einmal neu durchstarten. „Eine Gesellschaft, die immer nur wachsen will, ist ein Irrweg. In die Richtung wollen wir nicht“, sagt Matschoß. Auch die aufwendige Logistik falle weg. Im ersten Stück wird laut dem Autor das Wohnhaus im Mittelpunkt stehen und seine Geschichte erzählen.

Theater auf dem Land sei zudem auch immer ein Ort der Begegnung, sagen Imig und Matschoß. „Es ist eben nicht nur Theater, sondern auch der Ort, wo das Leben stattfindet und sich Freunde treffen“, sagt Imig. Dies sei umso wichtiger, da immer mehr Treffpunkte wie Kneipen schließen müssen.

Vor allem seien es aber die Menschen, die die Faszination für Imig ausmachen. „Das ist so geil, auf dem Land zu arbeiten, weil man vom Publikum mehr wahrgenommen und geschätzt wird.“

VON LARS LOHMANN

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