Farbe für die Turnhalle

Mit der Sprühdose auf Tuchfühlng: Joscha Kühnelt und Mario Pautz bereiten sich auf das Projekt vor.

Ebstorf - Von Wiebke Brütt. In Ebstorf wird es bunt – zumindest wenn es nach dem Team vom Mehrgenerationenhaus (MGH) geht. Denn was als Workshop begonnen hat, soll nun groß aufgezogen werden. Graffiti könnten künftig die Wand der Hauptschul-Turnhalle zieren.

Geboren wurde die Idee von der Turnhallenverschönerung bereits Ende letzten Jahres. Bei einem runden Tisch, bei dem Ebstorfer Jugendliche, Vertretern von Vereinen, Verbänden, Verwaltung und Politik zusammensaßen, war das Projekt bereits kurz Thema (die AZ berichtete).

Die Umsetzung würde nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Denn zurzeit „glänzt“ die Turnhallenfassade mit zweifelhafter Kunst – Schmierereien wie Hakenkreuze prangen von den Wänden der Halle. Gleichzeitig suchen jugendliche „Graffiti-Künstler“, die sich einmal die Woche im MGH treffen, große leere Flächen. „Wir haben uns vorgestellt für das Projekt etwa eine Fläche von 300 Quadratmetern zu nutzen“, erklärt MGH-Leiterin Carolin Kühnelt. „Auf dieser begrenzten Fläche könnten die Jugendlichen dann mit Anmeldung professionelle Graffiti sprühen. Vielleicht kann man das Projekt ja auch in das Nachmittagsangebot der Hauptschule integrieren.“

Grundlage für alle Kreativität an der Wand sollen Richtlinien sein, die Mario Pautz, der bereits den wöchentlichen Graffiti-Workshop im MGH leitet, mit einigen Jugendlichen entwickelt hat. Das Schreiben, das am Ort des Geschehens ausgehängt werden soll, beinhaltet Anweisungen zur Benutzung der Wandfläche, Abfallentsorgung sowie Sicherheitshinweise. „Es dürfen zum Beispiel keine sexistischen, rassistischen oder Gewalt verherrlichenden Symbole gesprayt werden. Solche Dinge würden sofort übermalt werden“, erklärt Carolin Kühnelt.

Auch was das Alter der Künstler betrifft, gibt es Einschränkungen. Kühnelt: „Es ist nicht erlaubt, dass Jugendliche unter 14 Jahren sprayen.“

Um diese Jüngeren nicht auszuschließen haben sich Mario Pautz und seine Mitstreiter einen besonderen Kniff ausgedacht: Wer noch nicht alleine sprayen darf, soll einen älteren Paten an die Seite gestellt bekommen, der seinem Schützling zeigt, wie mit Pinsel und Farbe Kunstwerke an die Wand gebracht werden. Zuvor wird ein professioneller Sprayer die jungen Leute noch unter anderem mit Techniken, strafrechtlichen Grundlagen sowie künstlerischen Aspekten wie einer sinnvollen Wandaufteilung vertraut machen. Mit Flyern, die in Schulen und Jugendzentren ausgelegt werden soll, möchte das MGH das Projekt bewerben. Kühnelt: „Es sind Jugendliche aus dem ganzen Landkreis willkommen.“

Im April soll das Projekt „Wall of Fame“ dann ganz offiziell mit einer Feier eingeweiht werden – sofern der Flecken Ebstorf dem Vorhaben zustimmt. Denn die rechtliche Grundlage ist kompliziert. Der Landkreis hat als Inhaber der Turnhalle bereits positive Signale gesendet. „Man sollte dieses Angebot annehmen, um für die Jugend etwas zur Verfügung zu stellen. Dann hätten wir auch einen besseren Anblick der Sporthalle und weniger Reinigungsaufwand“, sagte Eckhard Schneider, Leiter des Amtes für Liegenschaften und Gebäudewirtschaft beim Landkreis, in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses des Landkreises. Ein ähnliches Graffiti-Projekt von Polizei, Stadt und Geschäftswelt in Uelzen sei im vergangenen Jahr erfolgreich umgesetzt worden, erinnerte Baudezernent Frank Peters. Der Landkreis müsste vermutlich nur das Mauerwerk grundieren, was maximal 1000 Euro kosten würde, aber nicht zwingend erforderlich sei.

Das Mehrgenerationenhaus wartet nun weitere Entscheidungen ab – eine offizielle Stellungsnahme des Klosterflecken Ebstorf zu dem Projekt steht bisher noch aus.

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