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Erstmals seit Jahren wieder neue Konventualin im Kloster Ebstorf

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Die neue Konventualin Bärbel Schirmer und Äbtissin Erika Krüger verlassen nach dem Gottesdienst die Klosterkirche.
Auszug des Konvents nach dem Einführungsgottesdienst: Die neue Konventualin Bärbel Schirmer (links) mit Äbtissin Erika Krüger. © Christian Holzgreve

Mit Bärbel Schirmer ist am Sonnabend erstmals seit mehreren Jahren wieder eine neue Konventualin im Kloster Ebstorf ins Amt eingeführt worden. Dazu fand ein Gottesdienst mit Pastorin Marion Römer und Äbtissin Erika Krüger statt.

Ebstorf – Als sie mit dem Krummstab in der rechten Hand als Zeichen ihrer Würde den Nonnenchor in der Klosterkirche Ebstorf betritt, lächelt Äbtissin Erika Krüger. Sie hat etwas geschafft, was nach innerkirchlichen Querelen keiner mehr für möglich hielt. Eine neue Konventualin wird am Sonnabend in einem feierlichen Gottesdienst des Klosters das Gelöbnis abgenommen und von Pastorin Marion Römer eingesegnet: Bärbel Schirmer musste fünf Jahre als Anwärterin auf diesen Tag warten. „Ich habe lange darauf hingearbeitet“, sagt Schirmer.

Das steht außer Frage. Denn normal ist eine Probezeit von einem Jahr. Und so sind – auch seit Jahren – vier weitere Anwärterinnen mit Äbtissin Krüger und Schirmer nach dem Glockengeläut zum Einführungsgottesdienst in den Nonnenchor gekommen. Sechs Damen also insgesamt. Und Bärbel Schirmer sitzt an diesem Tag unter dem dreiarmigen, großen Leuchter, direkt gegenüber dem Altar, den der gekreuzigte Jesus prägt.

Dort predigt Pastorin Römer, die für die geistliche Betreuung in den 15 Klöstern und Stiften der Klosterkammer Hannover verantwortlich ist. Später wird sie die 65-jährige Schirmer segnen für „ein Leben und Wirken im Kloster“. Als erstes Lied singen die Gäste und Schirmers Familie „Tut mir auf die schöne Pforte“. Dabei sah es doch 2019 noch so aus, als werde die Äbtissin, der ihr Führungsstil vorgeworfen worden war, vor die Tür gesetzt (AZ berichtete).

Die wehrte sich erfolgreich vor Gericht, wo immer noch Verfahren anhängig sind. Pastorin Römer wertete die Einsegnung nach Jahren des Wartens gegenüber der AZ denn auch als „kleines Zeichen der Entspannung“. Und sie beginnt ihre Predigt mit den Worten „Was lange währt, wird endlich gut“ und zeigt sich überzeugt, dass es eine „gute und tragfähige Entscheidung“ sei, Schirmer zur Klosterdame zu ernennen. „In der Beziehung zu Jesus Christus kommt der Mensch zu sich selbst.“

Römer mahnt im zweiten Teil ihrer Predigt indes auch, ein wenig in Richtung von Äbtissin und Konvent gewandt, dass so ein Konvent eine „Fülle von Lebenserfahrungen und Erwartungen“ mit ins Kloster bringt, eine Lebensform auch „moderner Frauen“. Man müsse miteinander im Gespräch sein. „Wir brauchen gegenseitige Ermutigung und Austausch“, unterstreicht Römer. So ein Kloster sei keine verfallene Ruine oder ein Museum, es müssten Tradition und Zukunft miteinander verbunden werden.

So spricht aus Römers Worten auch der Anspruch an die 76-jährige Äbtissin Erika Krüger, die das Kloster seit 2001 leitet und der ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen worden war, der die Klosterkammer und das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur auf den Plan riefen.

Am Sonnabend aber stehen die Zeichen auf vorsichtiger Entspannung. Äbtissin Krüger sagt optimistisch der AZ: „Ich will noch die übrigen Anwärterinnen durchbringen.“ Und im eindrucksvollen Nonnenchor in der Klosterkirche ist auch ein leitender Mitarbeiter der Klosterkammer zu Gast: Dr. Stephan Lüttich, Leiter der Abteilung Stifte und Klöster, ist gekommen. „Als ich das erste Mal hier in Ebstorf war, ist der Funke übergesprungen“, sagt Neu-Konventualin Bärbel Schirmer. Und wahr ist: Funkenflug, wie noch 2019, hat es an diesem Wochenende im Kloster nicht gegeben.

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