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Ermittlungen dauern an

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Von: Gerhard Sternitzke

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Vor drei Jahren rückt die Polizei zu einer Razzia bei Müllers Hausmacher Wurst in Ebstorf an. Dabei werden acht Produkte gefunden, in denen möglicherweise Gammelfleisch verarbeitet wurde. Die jetzigen Geschäftsführer sind von den Ermittlungen nicht betroffen.
Vor drei Jahren rückt die Polizei zu einer Razzia bei Müllers Hausmacher Wurst in Ebstorf an. Dabei werden acht Produkte gefunden, in denen möglicherweise Gammelfleisch verarbeitet wurde. Die jetzigen Geschäftsführer sind von den Ermittlungen nicht betroffen. © Archivfoto: stk

Ebstorf. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren herrscht Ausnahmezustand bei Müllers Hausmacher Wurst in Ebstorf. Morgens um 8. 45 Uhr rückt Polizei zu einer Hausdurchsuchung an. 60 Beamte nehmen Proben, befragen Mitarbeiter und beschlagnahmen Akten.

Dann mahlen die Mühlen der Justiz. Jetzt steht fest: Die zuständige Staatsanwaltschaft Oldenburg sieht die Gammelfleischvorwürfe gegen die damaligen Geschäftsführer grundsätzlich bestätigt.

Das Verfahren gegen den älteren Beschuldigten wurde gegen Geldauflage eingestellt. Er zahlte 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. „Grund für die Einstellung ist gewesen, dass im Rahmen der Ermittlungen lediglich ein geringes Verschulden des 58-Jährigen aufgrund eines untergeordneten Tatbeitrags festgestellt werden konnte“, teilt Staatsanwalt Torben Tölle auf AZ-Anfrage mit.

Sein 54-jähriger Kollege weigerte sich, eine wesentlich höhere Geldauflage zu zahlen. Daraufhin wurden die Ermittlungen gegen ihn wieder aufgenommen. „Im Rahmen der Ermittlungen wird geprüft, ob dem Beschuldigten möglicherweise eine bewusste Verwendung von Fleisch, das nicht für den Verzehr durch Menschen geeignet gewesen ist, vorgeworfen werden kann“, erläutert Tölle. Die Ermittlungen dauern an.

Bei der Durchsuchung im Jahr 2014 fanden die Ermittler nach seiner Auskunft insgesamt acht Fleischprodukte, bei denen möglicherweise nicht für den menschlichen Verzehr geeignetes Fleisch verarbeitet worden war. Keine dieser Produkte seien in den Verkauf gelangt. Zudem werde geprüft, ob Ware falsch deklariert worden sei.

Der 54-jährige ehemalige Geschäftsführer bestreitet die Vorwürfe. Nach der Razzia hatte das Unternehmen betont, dass die Polizei Tiefkühlfleisch beschlagnahmt habe. Dieses werde vor der Weiterverarbeitung stets von Fachpersonal geprüft und gegebenenfalls entsorgt. Laut Landkreis war der Betrieb vorher nicht auffällig. Ins Laufen kamen die Untersuchungen durch die Anzeige eines nach nur 14 Tage gekündigten neuen Mitarbeiters.

Da war das 1949 gegründete Unternehmen bereits wirtschaftlich angeschlagen, unter anderem ohne eigene Schuld durch einen Rückruf im Rahmen des Pferdefleischskandals. 2016 stand Müllers Hausmacher Wurst kurz vor der Insolvenz – und wurde verkauft.

Von Gerhard Sternitzke

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