Erste Stadorfer Mahnwache zum Thema Wolf / Raubtier soll „lernen, dass es weht tut“, wenn er sich dem Menschen nähert

Eine Region fühlt sich alleingelassen

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„Feuer-Alarm“: Mit der Mahnwache will Maike Schulz-Boers nach brandenburgischem Vorbild ein Zeichen setzen. Damit das Nebeneinander von Mensch und Wolf konstruktiv gestaltet wird.

Stadorf. Hell lodert am Freitagabend ein Feuer hinter dem Stadorfer Feuerwehrgerätehaus in der einsetzenden Abenddämmerung.

Menschen aus dem Ort, Politiker aus dem ganzen Landkreis, Jäger und Weidetierhalter haben sich zu einer Mahnwache versammelt und sie alle eint dasselbe Thema: der Wolf.

Die Gespräche sind emotional und schnell wird der Tenor erkennbar: Man fühlt sich alleingelassen, missverstanden, nicht ernst genommen von den politisch Zuständigen im fernen Hannover. Initiiert wurde die Aktion von Maike Schulz-Broers. Die Stadorfer Privattierhalterin möchte ein sichtbares Zeichen setzen, aufrütteln durch die symbolträchtige Wirkung des Feuers. „Die Meinungen zum Thema Wolf polarisieren sehr stark, es gibt entweder Befürworter oder Gegner und von beiden habe ich Haue bekommen, nachdem ich es gewagt hatte mich dazu auf Facebook zu äußern. Es muss möglich sein, sich irgendwo in der Mitte zu treffen und einen Kompromiss zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können“.

Die engagierte Stadorferin möchte die Mahnfeuer in regelmäßigen Abständen brennen lassen, in Planung ist ein monatlicher Turnus. In ihrer ostfriesischen Heimat in Timmel bei Aurich wurde am Samstag ebenfalls ein Feuer entzündet, wie auch in Finteln in der Nähe von Rotenburg-Wümme. Vorbild sind dabei die Brandenburger Wolfswachen die mit mittlerweile zehn Feuern in verschiedenen Orten eine beachtliche Signalwirkung entfalten. Die Aussage von Maike Schulz-Broers in Richtung Umweltministerium ist eindeutig: „Es kann nicht sein, dass ein Mensch, der nur von zehn Prozent der Bevölkerung gewählt wurde entscheidet, wie wir hier zu leben haben. Der Wolf ist in seinem Wesen dem Hund ja nicht unähnlich und muss lernen, dass es weh tut, wenn er sich dem Menschen nähert und diese Erfahrung an seine Welpen weitergeben.“

Auch Jochen Rehse, Vorsitzender des Niedersächsischen Landesschafzuchtverbandes und selber Schafzüchter und Weidetierhalter findet deutliche Worte der Kritik: „Bei den ganzen Herdenschutzmaßnahmen werden die Anforderungen ständig nur erhöht und die ganze Arbeit bleibt an uns hängen. Jetzt wird sogar eine Nachtaufstallung gefordert – das ist überhaupt nicht leistbar“.

Für den Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer sind die Entscheidungen des Umweltministeriums indes nicht unantastbar: „Die Landesregierung stellt lediglich die Exekutive, die Entscheidungen fällt der Landtag. Dazu ist es aber nötig, Petitionen einzureichen und Mehrheiten zu bilden. Es nützt nichts, nur alleine 85 Prozent der Stimmen aus dem Landkreis Uelzen zu haben“.

Von Oliver Huchthausen

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Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version des Artikels hieß es, dass die Mahnwache am Samstag stattfand. Richtig ist aber Freitagabend. Wir haben die Angabe bereits korrigiert.

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